Jörg Asmussen
Jörg Asmussen , 42, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und seit kurzem auch Aufsichtsrat der Bahn, sah sich bei seiner ersten Sitzung des Kontrollgremiums im April mit seltsamen Geschäftspraktiken konfrontiert: Auf dem Platz vor ihm lagen in einem Umschlag 500 Euro. Seine Kollegen erklärten dem verdutzten Beamten, dass es sich dabei weder um ein vorauseilendes »Dankeschön« für lobende Bemerkungen über das Management noch um Trinkgeld handele - sondern um das Sitzungsgeld. Asmussen empfand die Cash-auf-den-Tisch-Auszahlung dennoch als anrüchig. Das lade ja geradezu zur Steuerhinterziehung ein, monierte er gegenüber Kollegen im Bundesfinanzministerium. Obendrein bescherte das Bargeld dem Staatssekretär zusätzliche Arbeit. Denn als Asmussen die Summe an die Staatskasse abführen wollte, nahm ihm niemand den Betrag ab. Das Ministerium arbeitet völlig bargeldlos. »Ich musste mir mühsam eine Kontonummer geben lassen«, schimpfte der Spitzenbeamte, »und dann zu meiner Bank tappeln und das Geld einbezahlen.«