John Kinge,
Psychiater und Mitglied der olfaktorischen Forschungsgruppe der Universität Warwick, frischt das Gedächtnis alter Menschen mit nachgemachten Gerüchen auf. Die unter Depressionen und Erinnerungsverlust leidenden Probanden riechen an Fläschchen, gefüllt mit Watte, die Düfte vergleichbar mit denen aus den frühen vierziger Jahren verströmen. Angeboten werden in einem sogenannten Nostalgie-Aroma-Päckchen die Gerüche »Alte Teekanne«, »Krankenhaus« (altmodische Desinfektionsmittel), »Waschküche« und »Blitz«, der intensive Brandgeruch ausgebombter Gebäude, wie er nach Hitlers Raketenangriffen auf britische Städte wahrnehmbar war. »Es ist erstaunlich«, wundert sich etwa die 91jährige Blanche Tunstall, »mit dem einen Duft kommen all die Erinnerungen wieder hoch.« So ist denn auch das Fläschchen mit dem »Blitz«-Aroma, das unter anderem im Eden Camp Museum, einem Kriegsmuseum in Yorkshire, zu kaufen ist, das populärste bei den Senioren. John Kinge muß sich um seine olfaktorische Karriere in nächster Zeit wenig Sorgen machen: »Je älter die Bevölkerung wird, desto mehr alte Leute mit Gedächtnisstörungen gibt es, und Gerüche sind die wirksamsten Mittel, ihnen wieder zur Orientierung zu verhelfen.«