Hausmitteilung Johnson
Datum: 17. Oktober 1983 Betr.: Johnson »Es war Dienstag, der internationale Zeitschriftenladen in der Nähe des Times Square würde die neueste Ausgabe des westdeutschen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL bereits aufliegen haben, aber um diese Zeit gab es ihn auch schon an dem Kiosk Broadway/96. Straße, und bequemer.« So erzählte der deutsche Schriftsteller Uwe Johnson in seinem Buch »Begleitumstände« aus seinem Leben in New York 1966-68 und zugleich aus dem Leben von Gesine Cresspahl, der Hauptfigur seines Romans »Jahrestage«.
Johnson hat das fast 2000 Seiten starke Werk, das die »Zeit« zu den »100 Büchern der Weltliteratur« zählte, nach zehnjähriger Unterbrechung jetzt mit dem vierten Band abgeschlossen. Er ist das literarische Haupt-Buch dieser Saison. Und der SPIEGEL spielt in allen vier Bänden eine Nebenrolle. Neben der »New York Times« erscheint er als bevorzugte Informationsquelle von Johnsons Romanheldin. Im ersten Band wird er zwar einmal getadelt, weil er abgedruckt hat, was »unsere dowe alte Tante Halleluja so Memoiren nennt« (gemeint ist die Stalin-Tochter Swetlana Allilujewa), doch die Blattbindung der Gesine Cresspahl leidet darunter nicht, weiterhin kauft sie den SPIEGEL offenbar regelmäßig. In Band vier gedenkt sie des Ministers, der »ein westdeutsches Nachrichtenmagazin zu zerschlagen versuchte«, einer Namensnennung würdigt sie und würdigt Johnson ihn nicht.
Dem auf Genauigkeiten bedachten Autor der »Jahrestage« konnte der SPIEGEL mehrmals mit Auskünften aus seinem Archiv dienen. Über eine einst nicht zustande gekommene Kooperation hat Johnson aus selbstironischer Distanz in den »Begleitumständen« berichtet: »Rudolf Augstein muß es geschaudert haben bei der Vorstellung, diesen Schriftsteller als Volontär in der Bonner Vertretung von DER SPIEGEL zu haben; er dankte für das Angebot, auf der Stelle.«
Eine Besprechung von Uwe Johnsons »Jahrestagen« steht in diesem Heft, Seite 256.