Jugend
Gewährsleute aus dem sowjetdeutschen Volksbildungsministerium berichten, das Bildungsniveau der in diesem Jahre aus den Schulen der Sowjetzone entlassenen Jugendlichen liege noch erheblich niedriger als bereits in den Vorjahren. Von den rund 246 000 entlassungsreifen Grundschülern haben rund 116 000 die 8. Klasse nicht besucht. Diese Tatsache wird von Fachleuten im Volksbildungsministerium einstimmig auf das Versagen der nur unzureichend ausgebildeten Neulehrer zurückgeführt. *
2148 Lehrer haben nach offiziellem Zahlenmaterial des sowjetdeutschen Volksbildungs-Ministeriums im Laufe des am 1. September 1952 begonnenen Schuljahres in der Sowjetzone ihren Beruf aufgegeben bzw. sind »republikflüchtig« geworden. In dieser Zahl sind diejenigen Lehrer nicht enthalten, die während des gleichen Zeitraumes zwangsweise oder wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem Schuldienst ausgeschieden sind. *
Von den rund 315 000 in der Sowjetzone im abgelaufenen Jahr schulentlassenen Jugendlichen
sind bisher 107 100 noch in keine Lehr- bzw. Ausbildungsstelle vermittelt worden. Diese für den Dienstgebrauch ausgerechnete Bilanz wurde den Fachreferenten des sowjetdeutschen Staatssekretariats für Berufsbildung mitgeteilt. 69 300 Lehrstellen sind innerhalb kürzester Frist zu schaffen 37 800 Schulentlassene bleiben danach ohne Ausbildung. Fachleute rechnen damit, daß ein großer Teil dieser arbeitslosen Jugendlichen, die in der Sowjetzone nur »Arbeitsuchende« genannt werden, auf Arbeitsuche nach Westdeutschland gehen. 1952 vermehrten sowjetzonale jugendliche Flüchtlinge die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Bund bereits um 10 000.