JUGENDSÜNDEN
Als jahrelanger, ständiger Leser des SPIEGEL, den ich mit viel Freude, allerdings auch nicht ohne Kritik mir jeden Montag zur Lektüre vornehme, möchte ich Ihnen herzlich Dank sagen für den SPIEGEL-Report über organisierte Jugendliche in der Bundesrepublik.
Es ist überaus dankenswert, daß Sie diese Mißstände einmal aufgedeckt und auf die Praxis und Satzung des »Jugendringes« hingewiesen haben. Die einzelnen aufgedeckten Fälle sind dabei gar nicht das Wichtigste. Es kommt vielmehr darauf an, den unmöglichen und undemokratischen Geist der Satzung dieser Institution aufzudecken und der breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Schließlich ist das Wesentliche einer Demokratie, daß jeder einzelne
eine Stimme besitzt, und innerhalb der Jugendorganisationen und -verbände muß eben jeder Verband eine Stimme haben, denn gerade die kleinen Vereine leisten ja die fruchtbare und tatsächliche Arbeit in der Jugend.
Was nun das Problem der Mitglieder betrifft, so läßt sich das ganz einfach lösen: Die Verbände müßten angehalten sein, in jedem Jahr ihre Mitgliederlisten mit Adressen einzureichen. Wenn dann der Rechnungshof nur einige Proben macht, würden die hohen Mitgliederzahlen wie Butter in der Sonne dahinschmelzen.
Witzenhausen (Hessen) HANS WOLF
Archiv der deutschen Jugendbewegung
Diesmal machte es sich der SPIEGEL allzu einfach: Zum 50jährigen Meißner -Jubiläum trat am 12. und 13. Oktober 1963 nicht »eine Tausendschaft«, sondern traten etwa fünf Tausendschaften, übrigens keineswegs »feierlich«, zusammen. Auch der Oktoberwind strich nicht, und die »Delegierten« der heutigen Bünde waren nicht »magere Gruppen«, sondern Scharen recht munterer junger Leute. Die Annahmen des SPIEGEL, den Lesern als Bericht serviert, erwiesen sich als einigermaßen unzutreffend.
Bochum DR. ARNO KLÖNNE
Es sei dahingestellt, daß nun auch der SPIEGEL in den Chor der alten und von anderen Organen, vor ihm publizierten Vorwürfe, Verzerrungen und sachlichen Unrichtigkeiten einstimmt, wenn von der Arbeit der heutigen Jugendverbände die Rede ist. Schwerer wiegt es, wenn Ihr Magazin es mit keinem Wort für erwähnenswert hält, welche Arbeit gerade die Jugendverbände nach dem Kriege bis heute für eine staatsbürgerlich-demokratische Erziehung vor allem im Rahmen ihrer politischen Bildungsarbeit geleistet haben und leisten.
Daß auch anläßlich der SPIEGEL-Affäre die Befürworter der Presse- und Meinungsfreiheit nicht zuletzt aus den Reihen der Jugendverbände kamen, hätte wohl eine qualifiziertere und weniger oberflächliche Darstellung der gesamten Verbandsarbeit verdient.
Wiesbaden ARMIN H. NELIBA
Herausgeber
des deutschen und Internationalen Jugendinformationsdienstes
Und damals wie heute gibt es »Bündische«, die die Jungen zu eigener Verantwortung erziehen und nicht schlechthin unterhalten. Aber sie sind damals wie heute eine Minderheit, was wohl nicht verwunderlich ist.
Jügesheim (Hessen) DR. J. LEISCHKE
Neben den von Ihnen ausführlich behandelten sogenannten »jugendpflegerischen und staatstragenden Jugendverbänden, gibt es jedoch auch völkische und nationale Jugendbünde, die, ohne auch nur einen Pfennig aus dem Jugendplan zu erhalten, Ihre Jugendarbeit mit mehr oder weniger großem Erfolg leisten.
Dieser bündischen, völkischen und nationalen Jugend wird jedoch nicht nur jede Unterstützung versagt, sondern man versucht auch, durch jedmögliche Behinderung, Verleumdung und zum Teil sogar durch Verbot ihre Arbeit unmöglich zu machen!
Braunschweig RÜDIGER SCHÜTTE
Bund Helmattreuer Jugend e.v.
Leitstelle Bundesrepublik-Nord
Warum sollte die Deutsche Sportjugend innerhalb des DSB kein Jugendleben nach eigener Ordnung führen? Die Mitgliederzahlen der DSJ lassen sich im übrigen unschwer von der Bundesspitze bis zur Vereinsebene hin überprüfen, ganz abgesehen davon, daß ohne die Deutsche Sportjugend Hunderttausende berufstätiger Jugendlicher in einer wichtigen Wachstumsphase keinerlei Leibesübungen mehr betreiben könnten.
Frankfurt FRITZ MEVERT
Geschäftsführer der DSJ
Sie nennen eine Anzahl damals geistig und moralisch führender Menschen, die dem Wandervogel innerlich nahe standen und an der Tagung auf dem Hohen Meißner teilnahmen: Avenarius, Eugen Diederichs, Gerhart Hauptmann, Gertrud Bäumer, Friedrich Naumann, Alfred Weber, Gurlitt, Kerschensteiner
und Natorp. Sie haben einen vergessen, dessen Begrüßungsgedicht zur Tagung besser als alles andere der heutigen Jugend verständlich gemacht hätte, was jene Jugend wollte. Es war Herbert Eulenberg, der folgenden Festgruß veröffentlichte:
Ich grüße die Jugend, die nicht mehr säuft,
Die Deutschland durchdenkt und Deutschland durchläuft,
Die frei heranwächst, nicht schwarz und
nicht schief.
Weg mit den Schlägern, seid wirklich »aktiv«,
Das Mittelaller schlagt endlich tot!
Ein neuer Glaube tut allen not.
Bringt Humpen und Säbel zur Rumpelkammer,
Verjagt den Suff samt dem Katzenjammer
Und alles, was Euch verfault und verplundert!
Auf, werdet Menschen von unserm Jahrhundert!
Noch ein anderer Umstand wäre erwähnenswert gewesen, der zumindest
für den ganzen süddeutschen Bezirk
- von Elsaß-Lothringen bis Bayern -
zutrifft: die Sauberkeit des sexuellen Verhaltens jener Jugend in den gemischten Wandergruppen von Jungen und Mädchen, die bei Bauern im Heu übernachteten und auf dem Bauernhof selbst abkochten.
Hyattsville (USA)
PROF. DR. LUDWIG HAMMERSCHLAG
Ihren Report über die organisierten Jugendlichen in der Bundesrepublik habe ich mit besonders großem Interesse gelesen, weil ich aufgrund meiner Tätigkeit als Mitglied des Christlichen Jugenddorfwerkes unmittelbare Kontakte dazu habe.
Ich habe mich bislang in meiner Freizeit für unsere Jugendgruppe eingesetzt, da ich an den guten Zweck dieser Sache geglaubt habe. Um so enttäuschter bin ich dadurch, daß die als Leitbilder der Jugendlichen hingestellten »älteren Personen« ihre Jugendarbeit nur als Geschäft ansehen. Auf Grund Ihres Berichtes frage Ich mich, ob es noch weiterhin zweckmäßig wäre, sich für eine weitere Mitarbeit einzusetzen.
Bremen ARMIN SINNHUBER
Simplicissimus
»Komm weiter, Uschi! Der stammt noch aus der Zeit, wo man sich Blasen gelaufen hat. Das gibt dann wieder so 'nen Abend mit Lindenblütentee und Wanderschnulzen aus der Kinderfibel.«