JUNGE GERMANEN - DER SPIEGEL
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Briefe

JUNGE GERMANEN
• aus DER SPIEGEL 36/1957
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JUNGE GERMANEN

Viel mehr als das Interview mit dem Waffenstudenten Radermacher zeigen mir diejenigen Leserbriefe, die sich gegen die Korporationen wenden, mit allen ihren hübschen Qualifikationen wie »kindliche Naivität«, »infantil-atavistischer Blut- und Farbenzauber«, »verklemmte neurotische Situation des spätpubertierenden Hochschulbesuchers«, »Hokuspokus«, »rüpelhaftes Benehmen«, »organisierte Schläger und Kneiper« etc. Diese Äußerungen beweisen in einem erschreckenden Maß die eingeborene deutsche Unduldsamkeit und Rechthaberei, die uns so sehr fehlende Bereitschaft zu Verständnis und Verständigung. In Deutschland genügt es den durchschnittlichen Zeitgenossen nicht, einander im politischen Bereich zu begeifern. Auch im privatesten Bezirk muß das Banner der Gesinnung aufgepflanzt, dem Nächsten die böseste Absicht unterstellt, ihm das Recht zum Selig werden »nach seiner Facon« abgesprochen werden. Ganz selten findet sich jemand, der sich um eine objektive Haltung, um ein Verstehen des anderen bemüht.

Dies schreibt Ihnen ein Angehöriger des Kösener SC-Verbandes, dessen Corps seit 175 Jahren bestehen, eines Verbandes, der die Toleranz - ganz besonders im weltanschaulichen und religiösen Bereich - auf seine Fahnen geschrieben hat und dem außer Bismarck und Kaiser Wilhelm II. auch Karl Marx und Karl Liebknecht angehört haben. Er wird wahrscheinlich auch seine heutigen Kritiker überdauern.

Frankfurt (Main) WOLFGANG TIFFERT

Rechtsanwalt und Notar

Die in jedem Gespräch feststellbare Überzeugung der Korporierten, sie seien die Elite der Nation, wäre noch erträglich, wenn sie durch entsprechende Leistungen begründet würde. Aber ein Blick auf die Programme von Korporationen zeigt, wie es darum steht. Ich fand bei den fünf Corps und Burschenschaften und einer CV-Verbindung meiner Universität, die ihr Sommerprogramm noch ausgehängt haben, folgendes: drei Gottesdienste, ein Theaterbesuch und vier Vorträge. Dem standen gegenüber: fünf Mensurtage, fünf Ausflüge, sechs Kegelabende, sieben Tanzveranstaltungen, 14 Konvente und 24 (!) Kneipen.

Köln

JOACHIM CORNELIUS

cand. Jur.

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