STREITKRÄFTE Kampf um jeden Mann
Hinter den Kulissen des Wehrressorts tobt ein erbitterter Verteilungskampf um Soldaten und knappes Geld. Mitte dieser Woche soll im Zuge der Bundeswehrreform festgelegt werden, wie sich die künftig nur noch 250 000 Soldaten auf die Teilstreitkräfte verteilen. Die Luftwaffe, derzeit etwa 50 000 Soldaten stark, sträubt sich massiv gegen Abstriche: Sie habe bereits »Vorleistungen« erbracht, indem sie Tornado-Kampfjets und Flugabwehrsysteme ausmustere, erklärte ihr Chef Gerhard Back vergangene Woche dem Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan. Der Kauf von 180 Eurofightern sei »unabdingbar«, außerdem müssten im Jahr 2008 neue unbemannte Drohnen für die Aufklärung her.
Auch das Heer widersetzt sich Kürzungen; Überlegungen, die Truppe von derzeit 135 000 auf rund 87 000 Soldaten zu verkleinern, stoßen bei dessen Chef Gert Gudera auf heftigen Widerstand, zumal das Heer den größten Teil der künftig 55 000 Grundwehr-Rekruten aufnehmen soll. Zudem trügen seine Streitkräfte die »Hauptlast der Auslandseinsätze«.
Vergleichsweise still halten dagegen der Sanitätsdienst (derzeit rund 23 000 Soldaten) und die Marine, die allerdings ohnehin nur noch knapp 20 000 Frauen und Männer zählt. Ihre Führung freut sich über Zusagen von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), weitere vier U-Boote sowie gebrauchte Fernaufklärer anzuschaffen. Wachsen soll als Einziges die so genannte Streitkräftebasis. Mit gegenwärtig rund 25 000 Soldaten - etwa im Nachschub- und Fernmeldedienst - fungiert sie als Servicebetrieb für die übrigen Teilstreitkräfte. Verschärft wird der Spardruck auf die Militärs durch einen Beschluss des Haushaltsausschusses vom vergangenen Donnerstag: Zu Gunsten der klammen Rentenkasse soll die Bundeswehr im kommenden Jahr 248 Millionen Euro aus dem geplanten Etat von 24,25 Milliarden Euro einsparen.