Kaviar hinter Gittern - DER SPIEGEL
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PROJEKTE Kaviar hinter Gittern

• aus DER SPIEGEL 41/2000
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Im Landsberger »War Criminal Prison Nr. 1« wurden von 1946 bis 1958 unter US-amerikanischer Aufsicht rund 1700 deutsche Kriegsverbrecher verwahrt. Darunter waren prominente Diplomaten wie der ehemalige Staatssekretär Ernst von Weizsäcker oder Ex-Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk, die sich völlig unschuldig fühlten, Einsatzgruppenführer wie Otto Ohlendorf oder Paul Blobel, die 1951 hingerichtet wurden, Generäle, Industrielle, SS-Ärzte sowie das Fußvolk aus KZ-Wächtern und einfachen Soldaten. In einem besonderen Gefängnisflügel hatte man die »Rotjacken« untergebracht - Todeskandidaten, die auf ihre Exekution warteten. Zeitgleich konnte sich Otto Ambros, IG-Farben-Direktor in Auschwitz-Monowitz, an lukullischen Genüssen mit Kaviar und getrüffelter Gänseleber delektieren, und im Zuge des Kalten Krieges erlaubten die US-Besatzer der Krupp-Geschäftsleitung 1950 eine erste Direktoriumssitzung in der Haftanstalt. Der WDR und der Bayerische Rundfunk lassen die skurrile Gefängnis-Atmosphäre jetzt von dem Publizisten und Zeithistoriker Lutz Hachmeister für eine TV-Dokumentation rekonstruieren. Das Landsberger Gefängnis, so die Hachmeister-These, war ein »zentraler Kommunikationsort für die Elitenbildung in der Bundesrepublik, eine Parallelwelt zum Parlamentarischen Rat«.

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