KEMPNER
(Nr. 31/51, Hohlspiegel, und Nr. 35/51, Leserbriefe)
Mit dem im SPIEGEL wiedergegebenen Faksimile der Zahlungsanweisung Reichsaußenminister Ribbentrops über 250 000 »Reichsmark in Gold« hat es dennoch seine Richtigkeit. »Cicero« albanischer Kammerdiener von Sir Knatchbull-Hughessen, britischem Botschafter in Ankara, erhielt tatsächlich die 250 000 RM, zwar nicht »in Gold«, wohl aber in Pfund- und Dollarnoten: fürstliche Belohnung für ein allerdings auch einmaliges Spionage-Meisterstückchen. Er hatte seinem Herrn den Safeschlüssel aus der Hosentasche geklaut und den SD-Attaché der deutschen Botschaft, Ludwig Moyzisch, regelmäßig mit den wichtigsten britischen Staats- und Kriegsgeheimnissen beliefert. Sir Knatchbull hat diesen Tatbestand nach dem Kriege, als Moyzisch seine Erinnerungen veröffentlichte, auch - allerdings höchst widerwillig - zugeben müssen.
SPIEGEL-Leser Wolfs kriminalistische Einwände sind irrig: Das Faksimile gibt nur einen Ausschnitt aus dem Din-Papierformat wieder. Reichsmark »in Gold« bedeutet »in Devisen«. Die Schreibmaschinentype ist die der »Führerschreibmaschine« - besonders große Buchstaben, damit ER sie ohne Brille lesen konnte. Daß eine solche Maschine, wie sie im Auswärtigen Amt mehrfach verwendet wurden, auch bei der Zahlungsanweisung benutzt wurde, ist eher ein Beweis für die Echtheit des Dokuments. Die Umlaute fehlen keineswegs.
Die Schreibfehler hat »Saturday Evening Post« seinerzeit selbst erklärt: das Dokument war von einem des Deutschen unkundigen Retuscheur zur Klischierung vorbereitet worden, da einzelne Buchstaben verblaßt waren. Uebrigens hat auch die französische Zeitschrift »Constellation« das Faksimile in seiner verfälschten Form aus der »Saturday Evening Post« übernommen. Letztere hat später, als Proteste deutschsprachiger Leser einliefen, den Originaltext gebracht.
Das Dokument ist also echt. Echter jedenfalls als die Dollar- und Pfundnoten, die »Cicero« von Ludwig Moyzisch bekam. Die waren nämlich von Heinrich Himmlers KZ-Geldfälscherteam fabriziert worden. Vielleicht war das der Grund, warum man in Berlin die dafür gekaufte Ware auch nicht für vollwertig hielt, obwohl sie erstklassig war, wie wir heute wissen.
Bonn
M. Tullius
Das Dokument, durch das Ribbentrop aus dem Devisenschatz des Auswärtigen Amtes 250 000 Reichsmark in Gold für die Aktion »Cicero« zur Verfügung stellte, ist echt und seine Echtheit durch mehrere AA-Beamte bestätigt. Leider ist die von der »Saturday Evening Post« in Philadelphia gemachte Abschrift, die auch im SPIEGEL abgedruckt wurde, voll von Fehlern; die »Saturday Evening Post« hat dies mit Bedauern ihren vier Millionen Lesern nachträglich mitgeteilt.
Ueber die Zahlungen in der Sache »Cicero« gibt es eine interessante Korrespondenz zwischen AA und Gestapo. Beide Behörden wollten zwar den Erfolg der »Cicero«-Aktion für sich in Anspruch nehmen. Als aber das Geld dem SD-Beamten Moyzisch nach Ankara zur Bezahlung des Albaneos Cicero - alias Danielo Ulysses - geschickt werden mußte, versuchte jede der beiden Behörden, daß die andere aus ihrem Devisenschatz möglichst viel hergebe. Schließlich einigten sich Kaltenbrunner und Ribbentrop auf die Hälfte, Ribbentrop gab diese Anweisung von seinem Zug aus, der den Code-Namen »Westfalen« führte. Deshalb ist diese Zahlungsanweisung wie viele andere Dokumente mit Ortsangabe »Westfalen« unterzeichnet.
Philadelphia-Frankfurt/Main
Robert M. W. Kempner
Großer Kriminalist Wolf, die kriminalistische Widerlegung der Zahlungsanweisung für Spionage-Zwecke ist nicht sehr stichhaltig. Wieso sind in der Maschinenschrift keine Umlaute? Ich zähle drei ü. Wenn das oe in Schroeder gemeint ist, so ist dies eher ein Beweis für die Echtheit, denn der
Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Hans Schroeder schreibt sich tatsächlich mit oe. Bei der abgebildeten Zahlungsanweisung ist weder eine deutsche noch eine amerikanische Schreibmaschine verwendet worden. Es handelt sich offensichtlich um aufgeklebte Streifen eines Telegrafieschreibers. Daß es sich um einen Fernmeldetext handelt, geht einwandfrei aus den Tippfehlern hervor, die wohl auch der schlechtesten Stenotypistin nicht durchgegangen wären, z. B. »dan« statt den, »hiarmit« statt hiermit, »vergstegt« statt vorgelegt oder verständigt u. a. Damit erklärt sich auch die merkwürdige Unterzeichnung. Die Original-Anweisung ist vom Minister unterzeichnet worden, der Kontrollabzug des Fernmelders ist ihm wahrscheinlich als Buchungsbeleg nochmals wegen der hohen Summe vorgelegt und dann ganz korrekt mit »gez. Ribbentrop« abgezeichnet worden.
Die Bezeichnung »Westfalen« sagt nichts über den Ort, sondern ist der typische Deckname für Sonderzüge bzw. Stabsquartiere. Der Zug von Hermann Göring hieß Asien, was ja auch gerade keine Ortsbezeichnung war.
Hamm/Westf.
D. Müller-Grote
Mindestens in Punkt 5 haut Herr Wolf gewaltig daneben. Die Schrifttype ist sogar ein sehr markanter Beweis dafür, daß das Schriftstück auf einer deutschen Maschine, nämlich einer Breitwagenmaschine vom Fabrikat Naumann und Seidel »Ideal« geschrieben wurde. Diese Maschine mit den charakteristischen winzigen Schriftzeichen und dem auf der rechten Seite eingravierten »REICHSEIGENTUM« war in vielen deutschen Behörden anzutreffen.
Stuttgart
Georg P. Peters