Kendrick Lamar bei der Halbzeitshow des Super Bowl: Seitenhieb gegen Trump? - DER SPIEGEL
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Foto: Christopher Polk / Penske Media / Getty Images

Super Bowl 15 Minuten Revolution

• aus SPIEGEL Chronik 1/2025

Eine Randnotiz vorweg: Philadelphia gewinnt gegen Kansas City mit 40:22. Aber beim Super Bowl geht es nicht nur um die Finalisten der National Football League und den sportlichen Erfolg. Viele Millionen Zuschauer schalten nur wegen eines bestimmten Programmpunkts ein: der legendären Halbzeitshow. Beim 59. Super Bowl im Caesars Superdome in New Orleans wird diese Ehre Rapper Kendrick Lamar zuteil.

Mit sechs Studioalben, mehr als 60 Singles, einer Kompilation und mehreren Mixtapes, für die er insgesamt 22 Grammys und sogar einen Pulitzerpreis gewonnen hat, gehört der Superstar aus Compton zu den einflussreichsten Musikern der Gegenwart. Nun ist er auch der erste Rapper, der solo eine Halbzeitshow hostet.

Es ist wahrscheinlich die Performance seines Lebens. Auch wenn sie keine Viertelstunde andauert.

Nur wenige Tage zuvor wurde Lamar mit fünf Grammys geehrt. Sein Song »Not Like Us«, den er 2024 veröffentlichte, hielt sich wochenlang auf Platz eins in den US-Charts und gilt als der wichtigste Diss-Track gegen seinen Kontrahenten, den kanadischen Rapper Drake. Es wurde vorher lange spekuliert, ob Lamar ihn überhaupt performen würde. Er tut es tatsächlich – inklusive der expliziten Lyrics –, aber wer nur auf seinen Beef mit Drake schaut, verpasst das große Ganze.

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Unter den Zuschauern im Stadion sitzt nämlich niemand Geringerer als US-Präsident Donald Trump. Und Lamar skandiert während der Show (in abgewandelter Form) ein berühmtes Zitat des afroamerikanischen Künstlers Gil Scott-Heron: »The revolution ’bout to be televised, you picked the right time, but the wrong guy.« Scott-Herons Song »The Revolution Will Not Be Televised« aus dem Jahr 1970 besagte noch das Gegenteil, dass echte gesellschaftliche Veränderungen nämlich nicht über die Medien ausgelöst werden können. Lamar dagegen rappt: Doch, schaut! Hier läuft sie doch, die Revolution! Bloß haben wir den falschen Anführer!

Der richtige, darf man annehmen, wäre sicher nicht Trump, sondern ein Rapper mit einem gesunden Ego.

lph
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