NORDKOREA Kims Kirche
Eigentlich ist der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il ein kommunistischer Atheist - doch nun betätigt er sich in seinem Reich als Förderer der russisch-orthodoxen Religion: Am 13. August soll in der Hauptstadt Pjöngjang die erste orthodoxe Kirche des Landes eröffnet werden. Zur Weihe will auch Russlands Metropolit Kyrill anreisen, in der orthodoxen Hierarchie der zweite Mann hinter dem Patriarchen. Religionsfreiheit existiert in Nordkorea nur auf dem Papier, die Gründe für Kims Hinwendung zur orthodoxen Religion sind unklar. Auf die Idee zum Kirchenbau kam der Diktator wohl während einer Russland-Visite im August 2002, bei der er ein Gotteshaus besuchte. Schon im folgenden Jahr entsandte ein neugegründetes nordkoreanisches »Orthodoxes Komitee« vier junge Männer mit Geheimdienst-Hintergrund zur Ausbildung ans Moskauer Geistliche Seminar. In einem Crash-Kurs wurden die Kader zu Kirchendienern geschult, den dunklen Anzug mit dem Kim-Abzeichen tauschten sie gegen ein Priestergewand. Nach dem Seminarbesuch absolvierten die frischgetauften Christen, die zuvor nur mit der Staatsideologie »Juche« vertraut gewesen waren, ein Praktikum im fernöstlichen Wladiwostok. Fjodor Kim, einer der neuen nordkoreanischen Geistlichen, gestand, es sei »sehr schwer« gewesen, sich die orthodoxe Religion anzueignen. Aber der »liebe Führer« habe den Bau der Kirche nun mal beschlossen.