Kinder statt Inder - DER SPIEGEL
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Am Rande Kinder statt Inder

• aus DER SPIEGEL 11/2000
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Man kommt nicht mehr hinterher. Ein Geniestreich folgt dem anderen. Erst Helmut Kohls Winterhilfswerk »Millionen für mich« mit Leo Kirch, Uschi Glas und Heiner Lauterbach, und schon rauscht das zündende Motto für den nächsten Wahlkampf mitten ins Leben an Rhein und Ruhr: »Kinder statt Inder«. Wow und buff aber auch! Der neue Slogan der CDU, von Ex-Zukunftsminister Jürgen Rüttgers in Reimform hingetupft, erinnert endlich einmal wieder an unsere jahrtausendealte Geschichte. Schon die alten Germanen kamen ohne Inder aus (das Gerede vom Indogermanischen ist hier völlig abwegig), und wenn es eine Green Card gab, dann in Form von Baumstämmen, mit denen morsche römische Festungen entlang des Limes gestürmt wurden. Die deutsche Geschichte von Luther bis Lothar Matthäus zeigt eindrucksvoll, dass auch wir Postgermanen die Dinge selbst in die Hand nehmen - ob wir nun 95 Thesen an die Kirche zu Wittenberg tackern oder gegen wieselflinke Spanier hier und da zur Blutgrätsche greifen.

Gewiss: Auch Inder waren mal Kinder, aber wir brauchen keine bauernschlauen Südasiaten, die in flachen Lehmhütten über Software brüten, um dann mit ihrem Halbleiterwissen unschuldige Waldarbeiter in Brandenburg arbeitslos zu machen. Was wir brauchen, sind blonde deutsche Kinder, die schon mit drei wissen, was ein Mausklick ist. Den Rest erledigt Doktor Rüttgers. Und nun, Deutsche, frisch ans Werk: ab in die Betten - und immer an den Inder denken.

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