Kino - DER SPIEGEL
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Kino

• aus DER SPIEGEL 44/1951
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Weil es doch bald wieder eine Wehrmacht gibt«, regten verschiedene bayrische und württembergische Filmtheater an, ermäßigte Eintrittspreise für uniformierte und kasernierte Waffenträger bereits jetzt wieder einzuführen. Auf der Tagung der süddeutschen Filmverleih-Firmen im Münchner »Bayrischen Hof« wurde der Vorschlag der Kinobesitzer jedoch abgelehnt.

Argumente gegen eine Preisvergünstigung für Bereitschaftspolizei und Grenzschutz:

* »Bei der Wehrmacht mußte jeder. Die dienen ja freiwillig.«

* »Die bekommen nicht nur freie Unterkunft und Verpflegung, sondern noch DM 70 reines Taschengeld. So viel hat kein Arbeiter für sein Vergnügen übrig.« +

Bei der gleichen Gelegenheit wurden neue Kino-Revisionsergebnisse bekannt: Prüfer des Filmverleiher-Verbandes entdeckten im September bei 41 Filmtheatern Falschbuchungen von rund DM 121 000, bei 26 Kinos stellten sie Abrechnungsrückstände jeweils bis zu einer halben Million fest. In den eklatantesten Fällen beschlossen die Verleiher einen Filmlieferboykott.

Gegen drei Kinobesitzer, die nachweislich Verleih- und Produktionsanteile (rund 30 Pfennig von jeder Kinomark) für eigene Zwecke verwendet haben sollen, wird Strafverfolgung wegen Veruntreuung treuhänderisch anvertrauter Gelder beantragt. Von Verleiherseite waren schon vor der Bekanntgabe dieser Neuigkeiten Anträge auf Ueberprüfung 700 weiterer Kinos (von insgesamt 3900) eingereicht worden. Nach Verleihermeinung

* rechnet bestenfalls jeder fünfte Kinobesitzer exakt ab;

* würde es bei exakter und prompter Abrechnung kaum Bürgerschaftsskandale geben. +

Das laufende Geschäftsjahr werde für die amerikanischen Filmverleiher in Europa das beste seit dem Kriege sein, erklärte der Vizepräsident der Motion Picture Association of America, John C. McCarthy, nach einer zehnwöchigen Rundreise durch den Kontinent und England. Als Gründe nannte McCarthy

* die allgemeine Erholung der europäischen Wirtschaft;

* die Erleichterung wirtschaftlicher und finanzieller Beschränkungen in verschiedenen Ländern;

* die anhaltende Begeisterung der Europäer für amerikanische Filme.

Aus Bonn brachte McCarthy die amtliche Zusage mit, daß dem Filmexport nach Deutschland keinerlei Beschränkungen mehr auferlegt würden. McCarthy dankte mit der Zusage der amerikanischen Filmindustrie, durch Selbstbeschränkung eine Ueberflutung des deutschen Filmmarktes zu verhüten.

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