Am Rande Knabber-Chip
Die Spezies Weichei, bisher boulevardwissenschaftlich beschrieben als Warmduscher und Turnbeutelvergesser, muss um einen neuen Phänotypus erweitert werden: den Handychip-Aufesser.
Als solcher outete sich jetzt ausgerechnet der frühere Elf-Aquitaine-Manager Alfred Sirven, sonst berüchtigt als der härteste, abgebrühteste, kaltblütigste Machtprofi der Grande Nation, als Frankreichs 00-Elf für alle Affären von Leuna bis Libreville. Jetzt, bei der Verhaftung, hat er sich offenbar an seine Schulzeit erinnert. Ertappt beim Pfuschen. Und dann den Spickzettel wegmümmeln: In der Not frisst der Teufel Fliegen, der Schüler Papier - und der Manager Sirven Silizium. Jedenfalls hat er bei seiner Verhaftung den Chip aus seinem Handy genommen, darauf unehrenhaft herumgekaut und das Ding mitsamt seiner Gesprächsdaten feige verschluckt.
Nun hat das Aufessen von Beweismitteln vielleicht früher einmal funktioniert - Kannibalen beispielsweise konnten so ihre Morde vertuschen -, aber heute klappt das nicht mehr: Soll die CDU sich etwa durch Kassenbelege und Rechenschaftsberichte futtern? Ex-Minister Karl-Heinz Funke durch einen Rindfleischberg? Börsengurus durch alle Zeitschriften, in denen sie den Neuen Markt gelobt haben? Und müssten dann korrupte Tierärzte ihre Schweinemedizin vor den Augen des Gesetzes herunterkippen? Hm, zumindest darüber könnte man nachdenken. Sirven jedenfalls nutzt die Chip-Mahlzeit nichts. Seine Gesprächsdaten sind nämlich auch im Zentralrechner der Telefongesellschaft gespeichert. Und der dürfte bissfest sein.