Kökkenmöddinger - DER SPIEGEL
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Kökkenmöddinger

• aus DER SPIEGEL 46/2000
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Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten: Unvermutet rasch ist Hape Kerkelings philosophische Erkenntnis wieder aktuell geworden, seit Günther Jauch sich bei RTL der Lebensfrage »Wer wird Millionär?« widmet. Mitten im Leben sind wir von Abgründen umgeben - das lernt da locker der lascheste Erstklässler, wenn er zusehen darf, wie gestandene Richter, Zahnärzte, Barkeeper und anderes gelehrte Volk am Unterschied von Frisco und Fresko scheitern oder sich trotz Abitur und bildungsbürgerlichem Sozialhintergrund nicht einmal mehr daran erinnern, dass die steinzeitlichen Abfallhaufen, über die man in Nordeuropa doch wirklich an jeder Ecke stolpert, Kökkenmöddinger genannt werden. Bald freilich wird auch diesen Sende-Hit der Fluch der Quote treffen: Setzt sich erst die Einsicht durch, dass Wissen so ungerecht verteilt ist wie bisher die Millionen, dann wird Jauchs Pokerface bald als übles Komplizentum mit den Strebern gelten, und schon ist er mit seinen Ratefüchsen allein. Was tun, hohe Programmdirektion? Ganz einfach: Das schon an so vielen TV-Formaten bewährte Rezept, mit dem Niveau knallhart auf Zehennagelhöhe herunterzugehen, hilft gewiss auch hier. Wenn also Herr Jauch in zehn Jahren, nun definitiv seriös ergraut, endlich zum ersten Mal die Millionenfrage stellt, dann lautet sie vermutlich: Welcher Partei gehört Bundesbildungsministerin Verona Feldbusch an? Zur Wahl stehen: Die Grauen Panther, die Erbengemeinschaft der Ex-Geliebten von Dieter Bohlen, der mächtige Volksbund »Big-Brother-Fürsorge« und die grüne Splitterpartei »Spinat für Europa«.

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