Kohl oder Schmidt
(Nr. 31/1976, Wahlkampf)
So sehr ich Ihre Bemühungen um mein flottes Image schätze, so bitte ich Sie doch um Veröffentlichung einer Feststellung zu Ihrem Bericht über die verwunderliche Tatsache, daß es im deutschen Fernsehen keine Konfrontation der Kanzlerkandidaten Schmidt und Kohl geben soll. Sie schreiben: »Kohls Medienberater Gerd Bacher: Es ist grotesk. Der deutsche Fernseher darf sich kein Bild machen von den beiden Burschen, die an die Macht wollen ...« Von diesem Zitat stimmt sinnigerweise nur der Satz »es ist grotesk«. Dann sagte ich aber: »Der deutsche Fernseher darf sich kein Bild machen von den zwei Männern. die allein Bundeskanzler werden können. Die Bundesregierung wird ja nicht von Parteivorsitzenden, sondern von einem Kanzler geführt. Der kann nur Kohl oder Schmidt heißen«. Gestatten Sie noch eine Bemerkung, die ich im Gespräch mit Ihrem Mitarbeiter ebenfalls machte: Ist Deutschland eine Kanzler-Telekratie?
Darf die wichtigste Fernsehinformation nicht stattfinden, weil Schmidt nicht will? Warum fordert das Fernsehen die beiden Kanzlerkandidaten nicht von sich aus zur Zweierdiskussion auf? Information ist Dienst am Bürger und nicht Dienst am Kanzler.
Bonn GERD BACHER