KOHLEN IM EIMER
Das SPIEGEL-Gespräch mit dem Vorsitzenden des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau, Dr.-Ing. E. h. Wimmelmann, offenbart, welche irreführenden Manöver der Ruhrbergbau anwendet, um eine Notlage der Kohlenzechen vorzutäuschen und die Preiserhöhung zu begründen. Nach Herrn Wimmelmann ist die Erhöhung so gering, daß sie für den einzelnen Haushalt im Höchstfalle eine Mark im Monat ausmacht. Meinen eigenen kleinen Dreipersonenhaushalt belastet bei einem durchschnittlichen Koksanteil von 100 Zentnern im Jahr die Preiserhöhung von 60 Pfennig pro Zentner bereits mit 60 Mark, also dem Fünffachen. Legt man den gleichen Maßstab von Richtigkeit, also 1:5, bei den übrigen Aussagen von Herrn Wimmelmann an, so möchte man annehmen, daß nicht 75 Prozent, sondern 15 Prozent der Zechen mit Verlust arbeiten und daß die Kostensteigerung als Folge des Gesetzes über Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht 73, sondern etwa 15 Millionen beträgt.
Bremen-Vegesack HANS KRAUSE
Marine-Oberbaurat a.D.
... Schließlich aber - und dies scheint mir der wahre Grund der Kohlenpreiserhöhung zu sein - wurmt die Unternehmer das Lohnfortzahlungsgesetz, das angeblich Millionenverluste verursacht. Zugegeben, das Gesetz hat einige charakterschwache Lohnempfänger zum Krankfeiern verleitet, doch diese Disziplinlosigkeit kann nicht zu einem Preisaufschlag berechtigen.
Köln ALOIS MARKS
Wenn die Kohlenmanager der Ruhr das Privileg in Anspruch nehmen, als freie Produzenten mit unbeschränkter kommerzieller Initiative zu gelten, so müssen sie auch in die andere (saure) Seite des Apfels beißen und zur freien Konsum- und Absatzwirtschaft ja und amen sagen. Man kann nicht das Privileg erbpachten und das Risiko abschieben. Die Vertreter dieser Auffassung sollten sich vielmehr ein gutes Beispiel am alten Hugo Stinnes nehmen, den sie in Festansprachen und bei Unternehmerjubiläen so gern als ihr Berufsmoral-Ideal herausputzen. In einer Zeit, in der, ähnlich der heutigen, die Sozialisierung des Kohlenbergbaus als Menetekel vor den Fördertürmen der Ruhrzechen erschien, sagte Stinnes:
Jedes Syndikat ist nur Aushilfsmittel, und wenn Sie meine persönliche Meinung wissen wollen, so geht sie dahin, daß ich es absolut für notwendig halte, daß in Deutschland sämtliche Syndikate fallen, auch das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat.
Stinnes' Gegenspieler hieß Walter Rathenau. Er war für die Vollsozialisierung des Ruhrkohlenbergbaus - in dreißig Jahren. Die Zeit ist jetzt erfüllt.
Wuppertal ALFONS GERSTMEYER