Kostbare Beute - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 9 / 164

KULTUR Kostbare Beute

• aus SPIEGEL Chronik 54/2006
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In einer lauen Mainacht anno 2003 ging dem Kunsthistorischen Museum in Wien eine Kostbarkeit verloren. Die »Saliera« wurde gestohlen - ein Salzfässchen aus der Werkstatt des italienischen Goldschmied-Virtuosen Benvenuto Cellini. Österreichs Kulturbetrieb war außer sich vor Entsetzen, das Museum schwer blamiert. Denn purer Leichtsinn der Museumsführung hatte den Kunstraub erst möglich gemacht. Der Täter, ein 50-jähriger bislang unbescholtener Sicherheitstechniker und Hobby-Kunstsammler, war leicht angetrunken über ein Gerüst in das skandalös ungesicherte Museum eingestiegen. Die Alarmanlage war zwar in Betrieb, die Wärter glaubten jedoch an einen Fehlalarm. Und so konnte der Dieb ungehindert die Glasvitrine mit der »Saliera« zertrümmern. Den wahren Wert seiner Beute erkannte der Räuber freilich erst, als die Medien lauthals den Verlust des auf 50 Millionen Euro geschätzten Gewürzbehälters beklagten. Nach einem gescheiterten Versuch, ein Lösegeld von zehn Millionen Euro zu erpressen, kam die Polizei dem Museumsschreck durch ein Überwachungsvideo auf die Schliche. Leicht ramponiert - dem Neptun hatte der Täter den Dreizack entfernt - steht die »Saliera« nun wieder an ihrem kunsthistorischen Stammplatz.

Zur Ausgabe
Artikel 9 / 164