Kräfte
Bundeskanzler Adenauer ist wieder voll bei Kräften. Der New York Times gegenüber sprach er sich für die Schaffung einer westdeutschen Verteidigungstruppe aus. »Wir müssen die Notwendigkeit der Aufstellung starker deutscher Verteidigungskräfte erkennen«, sagte er. Die Kräfte müßten stark genug sein, um jeden möglichen Angriff durch die ostdeutsche Volkspolizei nach koreanischem Muster abzuwehren. Stärke, Ausrüstung und Ausbildung dieser Kräfte solle denen der Volkspolizei entsprechen. Konrad Adenauer plädierte außerdem für Vorkehrungen auf dem Gebiete des Luftschutzes und für zivile Verteidigungsprojekte.
Zürichs »Nationalzeitung« schreibt: »Das Vorgehen Adenauers hat auch diesmal wieder bewiesen, daß die deutsche Regierung aus den Hochkommissaren und dem Bundeskanzler besteht, während das Kabinett und das Parlament weitgehend überspielt werden und erst post festum ihre Meinung zu den Beschlüssen der 'vier Großen' sagen können.« Die Zeitung erinnert daran, daß eine Remilitarisierung Westdeutschlands juristisch dem Besatzungsstatut, dem Petersberger Abkommen, den Richtlinien der Sicherheitsbehörde, »kurz schlechthin allen Abkommen widerspricht, die die Alliierten untereinander oder mit der Bundesrepublik getroffen haben.«