LÄRMBEKÄMPFUNG
Ein Verfechter des lärmlosen Lebens (noch dazu als Ministerialrat) darf sich nicht dazu hinreißen lassen, die vermeintlichen Ruhestörer mit beleidigenden und diffamierenden Schimpfkanonaden zu belegen, wodurch das durchaus begrüßenswerte Ringen um die Vermeidung unnötiger Geräusche auf ein Kutscherniveau herabsinkt und so alle diesbezüglichen Bemühungen zumindest sehr in Frage stellt.
Berlin
KLAUS PODACK
Es darf auch darauf hingewiesen werden, daß die Motorradindustrie lange Zeit hindurch geglaubt hat, daß die von ihr erzeugten Vehikel einen »Ton« haben müßten.
Tübingen
GEBHARD LEYRER
Wie Ministerialrat Sachse sich gegen den Lärm gewehrt hat, ist gar nicht so wichtig, wichtig ist, daß er es tut.
Berne
DR. MED. DETERING
Wie verhält sich denn Ministerialrat Sachse, wenn eine Düsenjägerstaffel mit der Gewalt einer Naturkatastrophe über sein Wohnviertel hereinbricht? Ich empfehle Herrn Sachse ein einsames Häuschen im Deistergebirge. Aber auch dort, so befürchte ich, würde es Zwischenfälle geben. Ich sehe einen komischen Kauz im Nachthemd zu Frühlingszeiten, bewaffnet mit einem Speer wie weiland Don Quichotte, aus dem Hause springen und wütend in die Büsche stechen, um dort vermutete Käuzchen und Kuckucke zur Strecke zu bringen.
Barcelona
WILHELM LUMB
... Ministerialrat Sachse befindet sich in allerbester, ja klassischer Gesellschaft. Bereits Arthur Schopenhauer meinte im Kapitel 30 der »Parerga und Paralipomena« (Abhandlung »Über Lerm und Geräusch"):
»... sind die eminenten Geister stets jeder Störung, Unterbrechung und Ablenkung, vor allem aber der gewaltsamen durch Lerm, so höchst abhold gewesen. Allerdings giebt es Leute, ja, recht viele, die hierüber lächeln, weil sie unempfindlich gegen Geräusch sind. Es sind jedoch eben die, welche auch unempfindlich gegen Gedanken, gegen Dichtungen und Kunstwerke, kurz, gegen geistige Eindrücke jeder Art sind; denn es liegt an der zähen Beschaffenheit und handfesten Textur ihrer Gehirnmasse ...«
Düsseldorf
SIEGFRIED BERGER