BAYERN Landesbank als Zockerbude
Neuer Ärger für CSU-Chef und Bayern-Premier Edmund Stoiber. Nach den Millionenverlusten der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft wird nun wieder die Affäre um den Milliardenverlust der Bayerischen Landesbank zum Thema. Bisher bekannt war: Die Landesbank hat während der Asien-Krise rund 1,3 Milliarden Mark verloren. Verborgen blieb bis jetzt, dass rund 800 Millionen Mark durch wilde Zockerei verschwanden.
In einer Sitzung von Haushalts- und Finanzausschuss, über deren Details nie öffentlich berichtet wurde, nahm Stoibers Finanzminister Kurt Faltlhauser, der zum Zeitpunkt der Verluste keine Verantwortung für das Kreditinstitut trug, ausführlich Stellung. Aus dem Sitzungsprotokoll wird deutlich, dass die Verluste durch Kredite entstanden, die auf offenbar wertlose Aktien ausgezahlt wurden. Bankenüblich ist eine Beleihung von Wertpapieren zu maximal 60 Prozent, in Singapur wurde bis zu 100 Prozent beliehen. Kreditvergabe und Controlling seien nicht getrennt erfolgt, ähnlich wie im Fall des Barings-Bank-Spekulanten Nick Leeson war damit keine zeitgleiche Kontrolle möglich. Die Verluste seien »von der Niederlassungsleitung damals als geringfügig dargestellt« worden, sagte Faltlhauser vor dem Parlamentsausschuss. Dennoch habe die Zentrale am 21. Oktober 1997 beschlossen, das Geschäft mit den Aktienkrediten »unverzüglich einzustellen«. Doch die Niederlassung habe »ohne Genehmigung oder Rücksprache mit der Zentrale im November 1997 noch größere Auszahlungen vorgenommen«.
Die Zustände vor Ort müssen abenteuerlich gewesen sein. Selbst eine Auflistung der Kunden haben die Münchner von dort »nur durch Anweisung an den Innenleiter erhalten«. Der Mann habe als Entschuldigung gegenüber der bayerischen Muttergesellschaft später erklärt, dass für ihn quasi ein Redeverbot bestanden habe. Ihm sei »seitens des Niederlassungsleiters eine Abmahnung angedroht worden, falls er direkten Kontakt nach München aufnehmen würde«. Mittlerweile sind zumindest vor Ort die Konsequenzen gezogen, doch der damalige Asien-Chef der Bank stieg anschließend weiter in der Landesbank auf. Verantwortlicher Verwaltungsratschef zum Zeitpunkt der Affäre war der heutige Staatskanzleichef Erwin Huber.
In CSU-Kreisen wird vermutet, das erneute Aufflackern der Affäre sei eine Drohung an die SPD, denn Chef der Landesbank ist heute der damalige Vize und Asien-Verantwortliche Alfred Lehner, ein Genosse, der auch zugleich im Aufsichtsrat der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft saß, die durch Grundstücksgeschäfte Millionen verlor.