LANDSER-FILM
(Nr. 23/1955, Briefe)
Um nach Ihrer auszugsweisen Veröffentlichung meiner Zuschrift mit den entsprechenden Photos nicht etwa den Eindruck entstehen zu lassen, als seien alle Kriegsbilder gestellt gewesen, bitte ich Sie, noch folgendes nachzutragen:
Die Berichter der deutschen Propaganda-Kompanien haben einen hohen Blutzoll gezahlt. Ihre Verluste liegen prozentual an der Spitze der traurigen Totenbilanz des letzten Krieges. An ihnen hat es nicht gelegen, daß sie viele ihrer Bilder stellen mußten. Aber es hat sich immer wieder gezeigt, daß Aufnahmen, die in höchst gefährlichen Situationen gemacht wurden, nachher für den Betrachter nicht den geringsten Eindruck davon vermittelten. Ein Beispiel: »Begegnung mit dem Iwan«. Eine Aufnahme in gefährlicher Situation. Ich prallte buchstäblich beinahe mit einem Russen zusammen, der gerade aus seinem Graben hüpfen wollte. Der Schreck war beiderseits gewaltig. Der Russe hatte zum Glück keine Pistole greifbar. Ich »schoß«
ihn dafür aus einer reinen Reflexbewegung mit der Kamera. Ein ganz echtes Nahkampfbild, das aber im Sinne der Propaganda nicht zu gebrauchen war.
Dagegen war Propaganda nach Maß: Eine verfallene russische Kate. Eine ausgeliehene Kabeltrommel placierte ich unserem Kraftfahrer auf den Rücken, ein anderer Kumpel diente noch als Staffage. So entstand ein erregendes Bild, das die »Berliner Illustrierte« in ihrer für das Ausland bestimmten Nummer mit dem Text veröffentlichte: »Achtung Feindeinsicht! Volle Deckung!«
Hannover
REINHOLD LESSMANN
Die wahrhaft zündenden Kriegsbilder sind zu überwiegendem Teil gestellt worden. Das berühmteste Beispiel dafür ist das geradezu klassische Bild der Fahnenhissung eines Trupps amerikanischer Soldaten auf der Insel Iwo Jima. Dieses Bild faszinierte während des Krieges ganz Amerika und machte mit einem Schlage den Photographen Joe Rosenthal berühmt. Es war das meistgedruckte Kriegsbild der Welt überhaupt. Alle daran Beteiligten sind heute tot. Der Letzte ist erst im vergangenen Jahr gestorben. Er war ein gefeierter Mann und wurde in den Staaten wie ein Held geehrt. Der seelische Druck war für ihn so groß, daß er schließlich darunter zusammenbrach. Auch er mußte nämlich eines Tages erklären, daß dieses erregende Bild, nach dem im November 1954 ein fast 25 Meter hohes Ehrenmal gestaltet wurde, erst nach einer ganzen Reihe sorgfältig durchgeprobter Einstellungen entstand.
Heidelberg
IRMA LISSACK