Lebensstreit - DER SPIEGEL
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Briefe

Lebensstreit
• aus DER SPIEGEL 47/1947
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Lebensstreit

In Nr. 44 Ihrer Zeitschrift berichten Sie anläßlich der Flucht von Stanislaus Mikolajczyk aus Polen, daß dessen alter Lehrmeister, der 73jährige Vincentz Witos, heutiger stellvertretender Vorsitzender des polnischen Nationalrats, als einer der Haupttreiber gegen Mikolajczyk gelte und auch im September eine Resolution gegen diesen mit unterzeichnet habe.

Zu Ihrer und Ihrer Leserschaft Information sei jedoch bemerkt, daß Vincentz Witos vor zwei Jahren bereits in Krakau im Alter von 71 Jahren verstorben ist. Er war ein Bauer aus dem Dorf Wierzchostawice bei Tarnow und hatte sich schon früh in der Bauernbewegung betätigt. Bis 1918 Mitglied des österreichischen Parlaments, wurde er später Premierminister der Republik Polen und bekleidete mehr als 20 Jahre lang das Amt des Vorsitzenden der Polnischen Bauernpartei. Pilsudski hatte ihn in der Festung Brest-Litowsk inhaftieren lassen. Nach seiner Freilassung floh er aus Polen in die Tschechoslowakei, wo er 6 Jahre (bis 1939) ein Emigranten-Dasein führte. Nach Polens Befreiung übernahm Vincentz Witos im Jahre 1945 den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des polnischen Nationalrats, den er bis zu seinem Tode innehatte.

Luthe b. Wunstorf

REINHOLD SCHWARZ

Wir freuen uns, daß der Leser besser informiert ist, als sämtliche deutschen und ausländischen Pressedienste, deren Korrespondenten aus Warschau übereinstimmend berichten, Witos habe am 30. September 1947 eine Resolution gegen Mikolejczyk unterschrieben. Ob Witos im Geiste unterschrieb oder im Geiste starb, läßt sich nicht feststellen. D. Red.

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