VERTRIEBENE Leerer Sitz
An Warnungen mangelt es nicht, doch der Bund der Vertriebenen (BdV) will die heikle Personalie durchkämpfen: Er nominiert seine Präsidentin, die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, für den Beirat der neugegründeten Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Das Gremium soll mithelfen, die seit Jahren diskutierte zentrale Vertreibungsdokumentation in Berlin zu erarbeiten; Polen hat angekündigt, sich nicht mehr zu wehren - wenn denn Erika Steinbach außen vor bleibt. Nun eskaliert der Streit: Polens Medien stürzen sich auf die »blonde Bestie« Steinbach, laut einer Umfrage die nach Russlands Premier Wladimir Putin meistgefürchtete Person - in Deutschland empören sich die Konservativen über die Angriffe. Die Causa Steinbach wird zum Problem für Kanzlerin Angela Merkel, die einer Nominierung zustimmen muss. Sie steht vor der Wahl, entweder Teile ihrer Partei zu vergrätzen oder die polnischen Nachbarn. Auch der Koalitionspartner SPD ist gegen Steinbach. Durch ihren vorläufigen Verzicht auf einen Platz in dem 13-köpfigen Gremium hilft Steinbach Merkel aus der Klemme. Nach der Bundestagswahl im September entzündet sich der Streit erneut. Der BdV bekräftigt den Anspruch von Steinbach auf den noch freien Sitz. Die CSU unterstützt den Vorstoß. Nun aber legt sich FDP-Chef Guido Westerwelle quer, weil er das Verhältnis zu Polen nicht belasten will.