Leichtes Spiel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 14 / 120

TERRORISTEN II Leichtes Spiel

• aus DER SPIEGEL 52/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mutmaßliche Helfer des saudischen Top-Terroristen Osama Bin Laden verfügen in Deutschland offenbar über Verbindungen, um ihre Handys auf die Namen und Adressen unbescholtener Bürger zuzulassen. So hat der im Oktober in München festgenommene Lased Bin Heni, der in Bin Ladens Terrororganisation al-Qaida verstrickt sein soll, für seine Gespräche mit Komplizen ein Handy benutzt, das auf einen ahnungslosen Münchner Filmrequisiteur angemeldet war. Die Staatsschutzabteilung des Bundeskriminalamts in Meckenheim hatte das Handy mit der D2-Rufnummer 0174-269 32 03 drei Monate lang abgehört und dabei Bin Henis Verbindung zu einer von Mailand aus operierenden Terrorzelle aufgedeckt. Vor dem Zugriff tauchten die Staatsschützer in der Wohnung des Münchners Dieter Horst L. auf - obwohl L. weder den Verdächtigen noch die Handynummer kannte, war der abgehörte Anschluss beim Mobilfunkbetreiber Vodafone unter L.s Namen und mit einer Kopie seines Passes angemeldet worden. Tatsächlich hatte L. seinen Ausweis zu Jahresbeginn in einem kleinen Münchner Handyladen kopieren lassen - beim Kauf eines D2-Mobiltelefons mit ähnlicher Nummer. Wie der Käufer des Bin-Heni-Handys an die hilfreiche Passkopie kam, ließ sich bislang nicht klären; offenkundig ist, dass er leichtes Spiel hatte. Der Telefonladen-Inhaber spricht von einem »Systemfehler im Computer«.

Zur Ausgabe
Artikel 14 / 120