Leni Riefenstahl
Leni Riefenstahl, 99, Filmemacherin mit Vorliebe für Braune und Schwarze, gewann neue Bewunderer. Zu ihrem Eintritt ins 100. Lebensjahr am vorigen Mittwoch gratulierten ihr Filmveteran Billy Wilder, 95, und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim, 83, Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg. Eine wahre Huldigung widerfuhr ihr jedoch bei ihrem Erscheinen auf dem St. Petersburger Filmfestival bereits im März: stehender Applaus des meist russischen Festpublikums. Zuvor war dort ihr Film über den NS-Parteitag 1934 »Triumph des Willens« wiederaufgeführt worden und am nächsten Tag, obwohl im Programm nicht vorgesehen, gleich noch einmal - laut Moskauer »Literaturzeitung« ein »Skandal«. Riefenstahl enthüllte der »Moscow Times« vorigen Monat eine Herkunft ihrer Vorfahren mütterlicherseits aus Russland. Ihr Nazi-Film sei keine »politische Stellungnahme« gewesen, die ganze Welt habe seinerzeit Hitler bewundert. »Alle meine Hoffnungen, mein Glauben an eine glänzende Zukunft waren mit diesem Mann verbunden.« Hitler und Stalin seien sich sehr ähnlich gewesen - »der Unterschied ist, dass Hitler mehr von einem Sozialisten hatte«.