Let's go to Omaha Beach
Der längste Tag wird immer länger. Für Ed Manley, 72, begann D-Day schon im Februar. Da traf er sich wochenends mit 32 anderen Veteranen, um wie damals im Juni 1944, als die Luftlandedivisionen den Vortrupp der Invasionsstreitkräfte bildeten, am Fallschirm vom Himmel zu fallen.
Mittlerweile sind sie eigentlich aus dem Alter heraus: Der jüngste ist 67, der älteste 83, und doch haben sie den erneuten Ernstfall geprobt. Am 6. Juni wollen sie am historischen Ort der Invasion, den die Alliierten Omaha Beach getauft haben, wieder abspringen und wie damals landen.
Wenn sie denn dürfen. Das Pentagon ist entschieden gegen das Niederschweben der Greise vor zahlreichem Publikum, wozu neun Staatsoberhäupter der Anti-Hitler-Koalition gehören werden. »Das Pentagon begreift nicht, worum es geht«, ärgert sich der französische Fallschirmspringer Emil Gueguen, 69: »D-Day gehört den Veteranen, er löst starke Gefühle aus.«
An ihrem Tag wollen sich 45 000 alte Kämpfer an der normannischen Küste versammeln, ihren Sieg begehen und ihrer Toten gedenken - vermutlich die letzte große Invasionsfeier an einem runden Jahrestag für die aussterbende Kriegsgeneration.
Wie 1944 ist der Süden Englands Aufmarschgebiet für die neue Invasion. 3,5 Millionen Mann rüsteten sich damals für das Übersetzen auf den Kontinent: Rund die Hälfte stellten die Briten, 1,5 Millionen die Amerikaner, 220 000 Soldaten kamen aus Kanada und Australien, Neuseeland und Belgien, der Tschechoslowakei, Frankreich, Griechenland, Norwegen, Polen und den Niederlanden. 5000 Schiffe und 9000 Flugzeuge wurden in Südengland für die Invasion zwischen Cherbourg und Le Havre zusammengezogen.
General Dwight D. Eisenhower residierte im Southwick House in Portsmouth, dort gab der Oberbefehlshaber der alliierten Expeditionsstreitkräfte das Signal ("O.K. let's go!") zum größten amphibischen Angriff der Weltgeschichte und zur größten kombinierten See-, Luft- und Landoperation des Zweiten Weltkriegs.
50 Jahre danach beehrt die Königinmutter, 93, 1000 ausgesuchte Veteranen nachmittags bei einer Gartenparty, ehe ihre Tochter Elizabeth II. Bill Clinton und Francois Mitterrand zum Staatsbankett in die Guildhall von Portsmouth bittet.
Wenn sie am nächsten Tag den Kanal überqueren, gehen die Feierlichkeiten in Historienmalerei über. Voran die königliche Yacht »Britannia«, ihr nach eine Flotte ziviler und kriegerischer Schiffe.
Nachmittags landen 1000 britische, kanadische, französische und polnische Fallschirmspringer über der »Pegasus-Brücke«, dem ersten Streifen französischer Erde, der durch die Invasoren befreit wurde. Danach Gedenkfeiern auf Soldatenfriedhöfen, die große Zeremonie am Omaha Beach, Paraden der Veteranen und kein Ende.
Natürlich erhoffen sich die vielen Gemeinden an der Nordwestküste ein großes Geschäft vom nachgestellten Weltkriegsaufmarsch, der etwa 200 000 alliierten Soldaten und zwischen 300 000 und 400 000 Angehörigen der deutschen Wehrmacht den Tod brachte.
350 Festivitäten jedweder Art planen drei Küsten-Departements, darunter ein Jazz-Festival im Stil der vierziger Jahre und eine Blumenschau auf 23 Hektar in Caen. 50 000 »Jubiläums- und Freiheitsmedaillen« werden verliehen, drei neue Museen eingeweiht, um kommende Generationen an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Bigbands aus jenen Tagen treten auf und natürlich Bob Hope, 91, der Veteran der Veteranen. Am Omaha Beach findet ein »D-Day Golfturnier« statt.
Jürgen Weber, der Oberbürgermeister von Würzburg, hat die Einladung nach Caen, die ihm sein Amtskollege aus der Partnerstadt zukommen ließ, dankend angenommen.
Abends am 6. Juni soll er sich am »Friedensmemorial«, der zentralen Invasionsgedenkstätte in Caen, zu einem großen historischen Schauspiel einfinden, wie Jean-Marie Girault ihm brieflich annoncierte: _____« Eine gigantische Pyramide wird die Bühne darstellen, » _____« aus der die Menschen, das Dekor und die Maschinerie » _____« hervorkommen. Diese ,Maschine der Erinnerung' wird » _____« verschiedene symbolische Bilder und Klänge in unserer » _____« Erinnerung wachrufen, die in der Zeit zwischen den beiden » _____« Weltkriegen beginnen und mit der Versöhnung enden. »
Das Spektakel müßte Helmut Kohl gefallen, meint Bürgermeister Girault und wirbt nun in Paris dafür, daß der deutsche Kanzler nachträglich nach Caen eingeladen wird.