BODENREFORM »Letzte Warnung«
Paul Krüger, 46, Sprecher der ostdeutschen CDU-Bundestagsabgeordneten, über eine Revision der Bodenreform im Osten
SPIEGEL: In der Bonner Koalition wird gestritten, ob die Enteignungen aus der Zeit der Bodenreform in Ostdeutschland rückgängig gemacht werden sollen. Könnten Sie damit leben, daß adlige Großgrundbesitzer ihre Schlösser und zum Teil riesige Ländereien zurückbekommen?
KRÜGER: Die Bodenreform war ein Willkürakt. Aber diese Kriegsfolge läßt sich nach 50 Jahren nicht wieder rückgängig machen.
SPIEGEL: Doch vor allem die FDP und ihr Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig drängeln.
KRÜGER: Wer die Regelung »Rückgabe vor Entschädigung« auf Bodenreformland ausdehnen will, bedroht die in Ostdeutschland gewachsenen Strukturen und die Ansprüche von Bürgern, die das Land jetzt nutzen.
SPIEGEL: Auch CDU-Politiker im Westen fordern eine Revision.
KRÜGER: Diese West-Politiker sehen die Realitäten in Ostdeutschland nicht. Einige von ihnen haben sogar persönliche Interessen.
SPIEGEL: Wie Schmidt-Jortzig?
KRÜGER: Herr Schmidt-Jortzig hat bisher immer ausgeklammert, daß er oder seine Verwandtschaft von der Revision der Bodenreform profitieren würde. Das war nicht die ganze Wahrheit. Ich erwarte, daß er sich nicht von persönlichen Interessen leiten läßt.
SPIEGEL: Halten Sie Schmidt-Jortzig für befangen?
KRÜGER: Das ist offensichtlich.
SPIEGEL: Kann es sich die Koalition leisten, daß ein persönlich engagierter Justizminister bei dieser wichtigen Frage immer wieder die Regierungslinie verläßt?
KRÜGER: Das müssen Sie Helmut Kohl fragen. Er ist der Regierungschef. Es ist Sache des Kanzlers, diese Debatte zu beenden.
SPIEGEL: Wie denn?
KRÜGER: Wenn Schmidt-Jortzig noch einmal in der Öffentlichkeit für die Revision der Bodenreform eintritt, muß er gehen. Er handelt verantwortungslos und instinktlos. Ich hoffe, daß er diese letzte Warnung ernst nimmt.