LEVI ESCHKOL
übernahm die Regierungsgeschäfte 1963 von seinem Vorgänger David Ben-Gurion. Israels Staatsgründer mahnte seinen Nachfolger damals: »Eschkol, sei kein Kompromißler!«
Heute hat Israel einen Kompromißler möglicherweise nötiger denn je, will es nach dem glänzend gewonnenen Krieg gegen seine arabischen Nachbarn nicht den Frieden verlieren.
Den besiegten Arabern -- oder zumindest einigen von ihnen -- die Friedenshand entgegenzustrecken, dazu ist eine biblische Gestalt wie Ben-Gurion und ein Held wie Mosche Dajan kaum geschaffen. Das brachte eher ein Eschkol fertig, der vor zwei Jahren anbot, Israel wolle bei einem Ausgleich mit den Arabern auch Finanzhilfe für die Ansiedlung der Palästina-Flüchtlinge leisten,
Fehlt ihm auch das herrische Charisma des alten Ben-Gurion, das bedenkenlose Draufgängertum seines Verteidigungsministers und Konkurrenten Dajan -- auch der oft farblos wirkende Pragmatiker Eschkol hat für sein Land viel geleistet.
1913 war der 18jährige, aus der Gegend von Kiew stammende Zionist Levi Schkolnik in Jaffa gelandet, die ganze Habe in einem Rucksack. Eschkal: »Wir waren damals nur 60 000 Juden, meist fromme Leute und ein paar junge Burschen, die gerade anfingen, das politische Problem zu verstehen.« Er verstand es. Eschkol kämpfte in der jüdischen Legion auf britischer Seite gegen die Türken und half, einen der ersten Kibbuzim -- Dagania -- aufzubauen.
Was immer getan wurde, um in Palästina eine Heimstatt der Juden zu schaffen -- Eschkol war dabei. Er zählt zu den Vätern der mächtigen Histadruth-Gewerkschaft; er gehört der regierenden sozialdemokratischen Mapai-Partei vom Anfang her an. Er kämpfte in der Untergrundarmee Haganah, er half als Mitglied des Palästina-Büros in Berlin in den ersten Hitler-Jahren, deutsche Juden und deren Besitz ins Heilige Land zu bringen.
Von 1952 bis 1963 betreute Finanzminister Eschkol das israelische Wirtschaftswunder, und dann folgte dem großen Alten Ben-Gurion wie von selbst der bewahrte Taktiker Eschkol. Der temperamentvolle Altpremier glaubte jedoch bald, der Nachfolger verwalte sein Erbe schlecht ("Eschkol ist ungeeignet und gehört gefeuert"). Die Mapai spaltete sich. Doch Ben-Gurions »Rafi«-Partei -- auf die auch Masche Dajan gesetzt hatte -- erhielt nur zehn Sitze in der Knesseth -- die Rest-Mopai aber 45.
In der letzten Mai von Nasser ausgelösten Krise versuchte Eschkol den Krieg so lange wie irgend möglich zu verhindern -- und erschien als ängstlicher Verzichtpolitiker. Die öffentliche Meinung zwang ihn, den harten Rafi-Spitzenmann und Premier-Aspiranten Dajan in die Regierung aufzunehmen.
Aber er ließ sich von Dajan nicht die Politik diktieren. Seit die Waffen schweigen, wiegen die Worte des Taktikers wieder mehr als das Wollen des Tapferen.