Hausmitteilung Libyen / Bildcodes / Terrorismus
Gebauer und Reuter in Tripolis
Foto: Der SpiegelEs waren die dramatischsten Tage des Aufstandes in Libyen: Wochenlang gab es kaum Bewegung an den Fronten, vorige Woche nun setzte die Opposition zum Sturm auf die Hauptstadt Tripolis an. SPIEGEL-Reporter Clemens Höges, 49, und Fotograf André Liohn, 37, folgten mit ihrem Fahrer der ersten Kolonne von Kampfwagen, die sich den Weg nach Bab al-Asisija freischoss, der wichtigsten Festung des Diktators Muammar al-Gaddafi, 68. Wiederholt mussten sich die Journalisten ducken, wenn vor Scharfschützen gewarnt wurde. Auch die SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter, 43, und Matthias Gebauer, 37, vertrauten sich in Tripolis ihrem Fahrer an. Der Mann habe, so Reuter, »zuverlässig Freudenfeuer von Schüssen der Scharfschützen unterscheiden können«. Nebenbei fördert die Revolution auch Hinweise auf die Alltagssorgen der alten Eliten zutage: Im Schlafzimmer der Gaddafi-Tochter Aisha, 35, fand sich ein Gleitgelspender, im Büro des Militärchefs Abu Bakr Junis Dschabir, 59, ein Prospekt der Berliner Charité über Techniken des Fettabsaugens (Seiten 90, 94).
Von einer neuen Technik können SPIEGEL-Leser profitieren: Wer ein Smartphone wie das iPhone oder ein Android-Handy besitzt, kann dessen Kamera auf Seite 68, im Titel, auf einen Code richten - und auf seinem Handy Loriots Sketch »Das Bild hängt schief« sehen. Vorher muss nur eine kostenlose Entzifferungs-App wie »Scanlife« heruntergeladen werden. Bildcodes, die den Weg zu Animationen oder Filmen leiten, finden sich in dieser Ausgabe auch am Ende der Reportage aus Tripolis (Seite 93) und zu einem Bericht über das Geschäft mit dem Hunger (Seite 80). Die zusätzlichen Angebote wurden für die SPIEGEL-App auf dem iPad und auf Android-Geräten produziert. Der SPIEGEL bedient sich dabei der »Augmented Reality«-Technik. Wer die Kamera auf den Bildcode neben diesem Text richtet, sieht SPIEGEL-Redakteur Hilmar Schmundt, 44, der die »erweiterte Wirklichkeit« in einem Video erklärt (Seite 124).
Nur 250 Meter war SPIEGEL-Reporter Alexander Osang, 49, am 11. September 2001 gegen 10.30 Uhr vom World Trade Center entfernt, als eine schwarze Wand aus Staub auf ihn zukam. »Weg hier! Weg! Wir verlieren den zweiten Turm«, schrie ihn ein New Yorker Feuerwehrmann an - und Osang flüchtete in einen Keller. Über die Angst der 15 Menschen, die dort bereits kauerten, schrieb er eine Reportage, seither hat er Kontakt zu ihnen gehalten. »Sie wollen sich jetzt von den Feierlichkeiten am Ground Zero fernhalten; sie haben den Eindruck, dass das alles mit ihnen nichts mehr zu tun hat«, sagt Osang. Seine Reportage ist der Auftakt zu einer dreiteiligen SPIEGEL-Serie über den schlimmsten Anschlag in der Geschichte des Terrorismus und seine Folgen. Im Piper-Verlag ist das Buch »Wo warst Du?« erschienen; Osang und seine Frau Anja Reich, 43, beschreiben darin, wie die Katastrophe in den Alltag ihrer Familie einbrach, die damals in New York lebte (Seite 104).