»Licht für die dunkelsten Winkel«
Gemäßigte Töne schlägt George W. Bush zu Beginn seiner zweiten Amtszeit an. Bei seiner Antrittsrede verwendet er 47-mal den Begriff Freiheit und verspricht unablässig, das Licht der Demokratie »in die dunkelsten Winkel der Erde« zu tragen und die USA vor der »Achse des Bösen« zu beschützen. Den renitent-pazifistischen Europäern reicht der wiedergewählte 43. US-Präsident versöhnlich die Hand. Bush-Antipode Gerhard Schröder und die CDU/CSU begrüßen die ungewohnt freundlichen Worte, nur die Grünen meckern, mit seiner »zweischneidigen Rhetorik« ziehe Bush »den großen Wert der Freiheit in den Dreck«.
Während der Zeremonien, die über 40 Millionen Dollar kosten, demonstrieren Tausende gegen die Kriegspolitik des frommen Republikaners. Fast 10 000 Polizisten und Soldaten bewachen die Inauguration. Anschließend besucht Bush gut gelaunt neun Bälle, auf denen er, nach Insider-Schätzungen, insgesamt acht Minuten und 54 Sekunden tanzt. Kurz nach 22 Uhr ist er aber mit seiner Gattin ("Ich liebe Laura, Amerika liebt sie") wieder daheim und legt im Weißen Haus die Beine hoch.