Lichte Höhen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 65

Briefe

Lichte Höhen
• aus DER SPIEGEL 53/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lichte Höhen

(Nr. 49/1981, SPIEGEL-Titel: »Mode-Droge Astrologie / Fernseh-Star Teissier")

Ist der SPIEGEL vom Skorpion gebissen, vom Steinbock getreten oder der Venus - alias Teissier - auf den Leim gegangen? Was hat eine Teenager-Spätlese auf der Titelseite des SPIEGEL zu suchen?

Hamburg ERWIN ZAREMBA

Von Geifer tropfendes Machwerk.

Hamburg LOTHAR-RÜDIGER LÜTGE

Die mindestens 5000 Jahre astrologische Rhythmenlehre werden hier mit den Beinen der Teissier aufgewogen. Es ist schon zum Ausklinken!!!

Butzbach (Hessen) HANS-GEORG KWASNICK

Es wird berichtet über die »berühmten langen Beine, ein Meter fünfzehn lichte Höhe (eigene Messung)«. Wer hat denn nun gemessen, Fritz Rumler? Für Ihre Leser wäre es sicherlich auch hilfreich gewesen, wenn Sie den Begriff »lichte Höhe« näher beschrieben hätten.

Oberlindhart (Bayern) ADOLF BAUER

»Eigene Messung?« Wer möchte da nicht Reporter beim SPIEGEL sein!

Liederbach (Hessen) WALTER KÄMMERER

Lügen haben kurze Beine, zumindest kürzere als die von Frau Teissier, wenn sie ihre Beinlänge mit ein Meter fünfzehn angibt. Nach dem Photo auf Seite 237 unten müßte sie damit insgesamt fast zwei Meter zwanzig groß sein, und das stimmt wohl doch nicht ganz (siehe meine Berechnung).

Darmstadt DR. MED. HANS JÜRGEN MAURER

Ich glaube nicht an die Astrologie, und an die Astrologen schon gar nicht! Bei Madame Teissier interessiert mich nur das, was ihre Beine versprechen. Auf die Fortsetzung bin ich ehrlich neugierig.

Wenn die Astrologen tatsächlich die Zukunft vorhersagen könnten, wäre unser Dasein ziemlich langweilig. Das Leben würde mir vorkommen wie ein Fußballmatch zwischen Bayern München und HSV, bei dem vor Beginn des Spiels durch Lautsprecher das Ergebnis verkündet werden würde!

Tutzing (Bayern) GEZA VON CZIFFRA

Was haben Photos aus Madame Teissiers Vergangenheit mit Astrologie zu tun? Warum waren dann nicht auch Nacktphotos veröffentlicht von a) Buchela, b) Niehenke?

Hamburg CHRISTINE STERNFÄNGER

Was ist denn tantrisch, Herr Rumler? Meinen Sie damit »die verzoche Memm« der Magierin Teissier? »Willst nur nach dere ihr verzoche Memm gucke«, hörte ich eine Ehefrau ihren astrofernsehenden Mann anbellen. Jetzt kann er seiner Frau zum Trotz die gespiegelte »verzoche Memm« über seine Stubentür hängen.

Hanau (Hessen) DR. MED. LYDIA RUNKEL

Elizabeth Teissier bedankt sich als Narzißtin, aber nicht als Astrologin, denn über Ihre Astrologie-Story war ich eher erschüttert. Die Einseitigkeit der Argumente gegen die Astrologie ist nicht einmal sehr originell und weit entfernt von jeglicher Objektivität. Das finde ich schade in Ihrem intelligenten Magazin, da ich überzeugt bin, daß es eine Menge von intelligenten Leuten gibt, die sich dafür interessieren, und deshalb die Diskussion auf einem höheren Niveau stattfinden sollte.

Die neuesten Erkenntnisse der Physik und der Parapsychologie, um nur diese beiden Wissenschaften zu nennen, fallen völlig unter den Tisch. Und das ist sehr schade, da ein derartiges soziologisches Phänomen wie die Astrologie eine bessere Behandlung verdient hätte. So wird beispielsweise auf die vielen Prognosen der S.8 Astrologen hingewiesen. Ich möchte Sie nur daran erinnern, daß ich selbst, unter anderen (und dies schwarz auf weiß in Zeitschriften oder Buch), die Anschläge auf den Papst und Reagan prognostiziert hatte. Ich will mich aber nicht ausführlicher weiterzitieren, sondern verweise auf Einstein, Kepler und Goethe, die sicherlich Abonnenten Ihres Magazins wären! Sie haben sich folgendermaßen über Astrologie geäußert und hätten wahrscheinlich dies als Leserbrief geschrieben:

Einstein: »Die Astrologie ist eine Wissenschaft für sich, aber eine wegweisende. Ich habe viel aus ihr gelernt und vielen Nutzen aus ihr ziehen können. Die physikalischen Erkenntnisse unterstreichen die Macht der Sterne über unser irdisches Geschick. Die Astrologie wiederum unterstreicht die physikalischen Erkenntnisse. Deshalb ist sie eine Art Lebenselixier für die Gesellschaft.«

Kepler: »Zwanzig Jahre praktischer Studien haben meinen aufsässigen Geist von der Wahrheit der Astrologie überzeugt.« S.9

Goethe (Faust I. Teil): »Erkennest dann der Sterne Lauf, Und wenn Natur dich unterweist, Dann geht die Seelenkraft dir auf, Wie spricht ein Geist zum andern Geist.«

Paris ELIZABETH TEISSIER DU CROS

Zu dem Humbug erklärten:

Der Philosoph Graf Pico della Mirandola: »Die Astrologie ist die schlimmste Pest von allen Pesten. Dem Mensch raubt sie die Ruhe und erfüllt ihn mit ängstigenden Bildern. Den Freien macht sie zum Sklaven. Sie lähmt seine Tatkraft und wirft ihn ins Meer des Unglücks hinaus. Sie ist die Verderberin der Philosophie, beschmutzt die Medizin und legt die Axt an den Stamm der Religion ... Um der Astrologie überhaupt Freund sein zu können, muß man schon eine Neigung zur Verrücktheit haben.«

Goethe: »Die Astrologie verknüpft himmelweit entfernte Dinge in düsterer Phantasie und witziger Mystik.«

Arthur Schopenhauer: »Einen großartigen Beweis für die erbärmliche Subjektivität S.10 des Menschen ... liefert die Astrologie, die den Gang der großen Weltkörper auf das armselige Ich bezieht ... und in Verbindung bringt mit den irdischen Händeln und Lumpereien.«

Sao Paulo (Brasilien) WALTER HORDAN

Die Astrologie-Fans, die als Kronzeugen für ihren albernen Primitiv-Aberglauben den großen Astronomen »und Astrologen« Johannes Kepler zitieren, beweisen dadurch noch zusätzlich ihre Ahnungslosigkeit von historisch-geistesgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen.

Kepler war trotz seiner weltbild-umwälzenden Entdeckungen ein Mensch des ausgehenden Mittelalters. Sein Leben verlief inmitten des durch religiösen Wahnsinn ausgelösten Dreißigjährigen Krieges. Der Widerstreit zwischen seinem weitblickenden Genie und der herrschenden dogmatisch-traditionellen Engstirnigkeit mag mitbestimmend gewesen sein für seinen zwiespältigen Charakter.

Dem damaligen Erkenntnisstand entsprechend konnte er noch gar nichts über die wahre physikalische Natur der Himmelskörper (Planeten und vor allem Fixsterne) wissen. Seine erstaunlich genauen und umfangreichen Berechnungen führten ihn auf die ausschließlich himmelsmechanischen Bewegungsgesetze der Planeten des Sonnensystems.

Erst die neuere Astrophysik lehrt uns allmählich die wahre physikalische Struktur des Universums zu erkennen. Seit wenigstens einem Jahrhundert sind damit die auf mystizierender Unwissenheit beruhenden Grundlagen der altertümlichen und frühmittelalterlichen Astrologie endgültig ad absurdum geführt.

Kepler mag durchaus an die Möglichkeit einer exakten Wissenschaft über tiefgreifende kosmische Einflüsse auf die Spezies Mensch schlechthin (aber nicht auf das einzelne Vulgärschicksal) gedacht haben, eine Wissenschaft, die - falls sie durchführbar sein sollte - gar nichts mit Jahrmarkts- oder Fernseh-Astrologie gemein haben würde.

Für seine Grundeinstellung und Zwangslage, als königlicher Mathematiker in seinen Jahreskalendern auch astrologische »oraussagen zu treffen, ist seine Äußerung kennzeichnend: Ein » » Verstand, der an mathematisches Denken gewöhnt ist, wird » » angesichts der fehlerhaften Grundlagen der Astrologie lange, » » lange zaudern, wie ein widerspenstiger Maulesel, bis er durch » » Schläge und Verwünschungen gezwungen wird, seinen Fuß in die » » garstige Pfütze zu setzen. »

Lörrach (Bad.-Württ.) PROF. DR. RER. NAT. BERNHARD KOCH

Das abergläubische Publikum, Kepler und Wallenstein, die Zeitungs-Astrologie und ein paar Großverdiener - dieses immer wieder erprobte alte Rezept zur Verurteilung der Astrologie reicht heute nicht mehr aus. Denn es gibt weltweit anerkannte Leute, wie den Psychoanalytiker Fritz Riemann, die mit der Astrologie arbeiten - und dazu eine Unzahl an statistisch und naturwissenschaftlich nachgewiesenen Einflüssen von Sonne, Mond, Planeten und Kosmos auf physikalische und biologische Vorgänge, ob in der Rundfunktechnik, der Zoologie oder beim Menschen: psychologisch oder medizinisch.

Also: Unkenntnis des SPIEGEL-Autors - oder bewußte Unterschlagung? Und wenn TV-Aufklärer Hoimar v. Ditfurth - in Dingen Parapsychologie selbsternannter Zuchtmeister der Nation - klagt, die Astrologie wolle dem lieben Gott in die Karten schauen, so muß man fragen: Welche Wissenschaft will das nicht?

Berlin FRANZ BAAKE

Frau Teissier ist im Vollbesitz des Aussagbaren über die traditionelle Astrologie. Darüber hinaus scheint sie über ein beachtliches Maß an Intuition zu verfügen. Ich halte mich für eine Stellungnahme durchaus berechtigt. Ich war Schüler der Präsidentin der Quener Astrologischen Gesellschaft, der Gräfin Zoe Wassilko Serecky, und halte mich für einigermaßen kompetent.

Wien MAG. DR. MED. NORBERT REDTENBACHER

Wir stehen am Beginn des »Wassermannzeitalters«. Das Interesse der Gesellschaft an der Astrologie hängt mit diesem Phänomen zusammen und nicht mit irgendwelchen Krisen.

Calw (Bad.-Württ.) GERHARD SCHMIDT Hobby-Astrologe

Wenn man in dem von Elizabeth Teissier gefertigten Horoskop sich die Mühe macht, die genauen Planetenpositionen zu berechnen, so stellt man fest, daß die Dame ziemlich ungenau gearbeitet hat. Die Abweichungen der Planeten von den wirklichen Positionen betragen bis zu einem Winkelgrad - auch der Geburtsort des Befragten wird durch sie um 50 Kilometer nach Südosten verlegt. Dies wäre nicht einmal schlimm, wenn sie nicht gleichzeitig Werte dieser Größenordnung für ihre Deutung heranziehen würde (Saturn 1 im Wassermann). Für eine Genauigkeit dieser Größenordnung ist kein Computer erforderlich; ein Datenblatt im Werte von fünf Pfennig würde vollauf genügen.

Als Astrologe befindet sich Frau Teissier in einer glücklichen Lage: da es sich bei ihren Interpretationen ohnedies um Phantasieprodukte handelt, ist die Ungenauigkeit der Ausgangsdaten belanglos.

Freiburg R. WEIDEMANN, Dipl.-Phys Leiter des Richard-Fehrenbach-Planetariums

Ein Computer würde vermutlich besser arbeiten. Die immerhin festgestellte Abhängigkeit seiner Ergebnisse von der Eingabe ist auf die Formel gebracht worden: Garbage in - garbage out (Mist rein - Mist raus; abgekürzt GIGO). S.12 Dieses Prinzip ließe sich für unseren Astrologen ein bißchen umformulieren. Bezeichnet man eine fehlende Vorinformation mit »black«, dann läßt sich die Formel finden: Black in - black out (abgekürzt BLIBLO).

Es mag sein, daß BLIBLO noch ärger wütet als GIGO. Aber wie kein GO ohne GI, so auch kein BLO ohne BLI. Was den EDV-Leuten recht ist, sei den Astrologen billig.

Köln INGEBORG LOLL

Halten Sie durch, Madame, für die Astrologie lohnt es sich zu kämpfen!

Icking (Bayern) ISOLDE MILER, 41

Ich bin seit Jahren Anhängerin der Astrologie, und seit Frau Teissier für die »Bild«-Zeitung eine Serie schreibt, kaufe auch ich diese täglich, zumal wir in unserer Groß-Familie drei Wassermänner haben, ich selbst bin auch Wassermann. Nun war da Anfang November zu lesen, »die Wassermänner haben von jetzt an 13 Monate lang eine gute Zeit«.

Also das war ja Balsam für meine Seele, endlich einmal ein Aufatmen, können Sie sich vorstellen, wie ich mich gefreut habe.

Nun kommt aber der Hammer: Am 20. November war von der gleichen Astrologin Teissier zu lesen, »mit ziemlich trüben Aussichten müssen 1982 auch Wassermänner rechnen«.

Na, was sagen Sie dazu. Ich war empört und deprimiert zugleich. Immerhin ist bei mir der Glaube an die Astrologie stark ins Wanken geraten.

Bremen RUTH LUND

Die Frau Teissier hat sicher nicht nur ein hübsches Äußeres, sondern auch einen Instinkt fürs Geschäftemachen.

Ich würde für diesen Quatsch noch nicht einmal einen Groschen ausgeben.

Essen KLAUS HAMACHER

Die Astro-Tips von Elizabeth Teissier deuten für Hamburg auf Prinzip Hoffnung.

Hatte sie doch soeben für den am 23. Juni geborenen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi in einer Boulevardzeitung prophezeit: »Wer um den 24. Juni geboren ist, kann im Juni ernten, was er im Dezember gesät hat: Anerkennung im Beruf.«

Die Hamburger Bürgerschaftswahlen am 6. Juni nächsten Jahres stehen also unter einem guten Stern.

Hamburg SEPP BINDER Senatssprecher der Freien und Hansestadt Hamburg

Wir gucken in die Sterne, unten rollen die Russen rein.

Düsseldorf DIRK MAY

S.10

Ein Verstand, der an mathematisches Denken gewöhnt ist, wird

angesichts der fehlerhaften Grundlagen der Astrologie lange, lange

zaudern, wie ein widerspenstiger Maulesel, bis er durch Schläge und

Verwünschungen gezwungen wird, seinen Fuß in die garstige Pfütze zu

setzen.

*

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 65