Lieber Vielfalt als Einfalt - DER SPIEGEL
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Briefe

Lieber Vielfalt als Einfalt
• aus DER SPIEGEL 46/2001
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Lieber Vielfalt als Einfalt

Nr. 44/2001, Titel: Wirtschaft: Die Angst-Krise - Psychologie einer Rezession

Sind wir überhaupt in der Krise? Viele Unternehmen und Branchen haben den Schockzustand nach dem 11. September nur genutzt, um im vermeintlichen Zusammenhang mit den Anschlägen Kapazitätenanpassungen bekannt zu geben, die ohnehin längst fällig waren. Der Konjunkturabschwung fällt längst nicht so drastisch aus wie in anderen Zyklen zuvor. Mit der Normalisierung von Öl- und Lebensmittelpreisen und der Steuerentlastung zum Jahresbeginn wird der Konsum bald Früchte tragen. Jetzt hängt fast alles von uns Verbrauchern ab. Wenn wir in Zukunftsangst erstarren, führt der Weg direkt in eine Rezession. Schöpfen wir dagegen Zuversicht, sind die Aussichten für den Aufschwung gar nicht so schlecht.

ELLERAU (SCHLESW.-HOLST.) PETER GROTH

Von einem Nobelpreisträger solch ein konfuses Zeug lesen zu müssen ist schon bestürzend. Offenbar zählt für Herrn Friedman nur noch das Recht des Stärkeren. So soll sich die politische Landschaft und Kultur der Zukunft entwickeln? Globalisierungskritiker, ein Ausdruck der Spaßgesellschaft? Wer so fest an die Allmacht des Marktes glaubt wie er, wird allerdings jede Art von gesellschaftlichem Denkprozess als störend und unnötig empfinden.

DARMSTADT GUNNAR GLITSCHER

Milton Friedman weiß es. Nicht er, sondern ein überbordender Sozialstaat ist zynisch, der dem kleinen Mann unterstellt, nicht für sich selbst sorgen zu können. So können Staat und Politik es sich erlauben, sich als allzeit bereite Helfer des kleinen Mannes zu profilieren - mit Geld, das sie ihm so lange aus der Tasche ziehen, bis er wirklich Hilfe braucht.

MÜNCHEN CHRISTOPH ZANTHIER

Die wirtschaftliche Grundidee von freiem Wettbewerb um die Gunst des Kunden ist in Zeiten der globalen Monopole längst ausgehöhlt, es gehört geradezu zu den Prinzipien des neoimperialen Turbokapitalismus, dass die Wirtschaft gezielt und diktatorisch Bedürfnisse kreiert und Produkte verkauft, die niemandem Nutzen bringen. Vor diesem Hintergrund klingen die Äußerungen Friedmans grotesk: Wer in diesen Zeiten die uneingeschränkte und politisch unkontrollierte Herrschaft der simplen Shareholder-Value-Logik fordert, der redet am Wohl der Menschen vorbei und hat den Nobelpreis nicht verdient.

BERLIN JOHANNES KNECHT

Eine Begriffswelt, die in Türmen mehr erkennen kann als nur Steine, die in Menschen mehr entdecken kann als nur potenzielle Produktivitätsträger, die frei gewählten Regierungen mehr zutraut als nur tumbe Geldverschwendung, ist dem Begründer des Neoliberalismus offenbar fremd geworden. Mag sein, dass Theorie ohne simplifizierende Abstraktion nicht möglich ist, aber wir sollten darüber nicht vergessen, dass Praxis ohne Realität auch nicht funktioniert.

KÜHBACH-UNTERBERNBACH (BAYERN) EGON W. KREUTZER

Die Klarsicht und der Mut dieses alten Mannes (Milton Friedman) sind immer wieder bewundernswert.

DAUN (RHLD.-PF.) BERTHOLD FALK

Was mir nun wirklich Angst macht, sind Zyniker wie der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman. Da bin ich geradezu froh, dass es Bewegungen wie »Attac« gibt, so unterschiedliche Ideen und Ideale es da geben mag. Lieber die Vielfalt der Ideen als die Einfalt des Marktes!

DÜSSELDORF MISCHA DREESBACH

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