LIEBESSCHULE
(Nr. 12/51, Bücher)
Mit Vergnügen las ich Ihren Aufsatz »Liebesschule an der Grenze« zur Beschlagnahme des im Diederichs-Verlag, Düsseldorf, erschienenen Buches »Diotima, Schule der Liebe«. Am Schluß Ihrer Betrachtung zitieren Sie den, den man gefahrlos immer zitieren kann: Goethe. Nur: er ist es ja gar nicht. Hier spielt auch Ihnen die Korrektheit des Korrektors (daher wohl der Name) einen Streich. Es handelt sich nämlich in Wahrheit um ein von der Verfasserin mit Geschick und Einfühlung fingiertes Goethe-Zitat*), was daraus völlig klar wird, daß in der ersten Auflage ihres Buches (1930!) unter diesem Zitat stand: »Goethe zu Eckermann am 29. Februar 1930« (jawohl: neunzehnhundertdreißig!). Beim Neusatz des Werkes hatte der Verlag es mit einem ganz korrekten und leider denkenden Korrektor zu tun, der ohne jede Rückfrage das 1930 in 1830 änderte, womit die Tatsache der Fingierung natürlich nicht mehr offensichtlich ist. Es hätte jetzt sinngemäß heißen müssen: am 29. Februar 1951. Die Auslieferung des Buches hat im übrigen inzwischen begonnen.
Bad Godesberg
H. Thomas Tenter Verlagsvertreter des Diederichs-Verlags.