LINKS ODER RECHTS - DER SPIEGEL
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Briefe

LINKS ODER RECHTS
• aus DER SPIEGEL 6/1957
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

LINKS ODER RECHTS

Den angeblich momentan feststellbaren Zuwachs der Sozialdemokratie an potentiellen Wählerstimmen erklärt Herr Daniel mit dem »simplen und vagen Gefühl«, es müßten einmal »andere. Ochsen an die Futterkrippe«!

Seit es Wahlkämpfe gibt, avanciert unversehens immer wieder dieses phantasielosunoriginelle Pseudo-Argument zum echten politischen Argument (bzw. wird Wahlschlager!).

Dagegen kann man nur kontern (womit bereits 1940 der politisch leichtfertige, aber dafür propagandistisch unbestritten geniale Franklin Roosevelt seinen demokratischen Gegnern ihre Thesen am Boden zerstörte!): Keine Partei hat allein deswegen Anspruch auf die Macht, weil sie in der Vergangenheit zu viele Wahlkämpfe verloren hat!

Hamburg 39 KRAFFT VON DER MARWITZ

Schon einmal hatten viele Deutsche »das ganz richtige Gefühl«, es müsse die andere, Richtung drankommen. Herr Daniel hat das anscheinend vergessen: 1933!

Duisburg FRIEDRICH KRAMER

»Das ganz simple, vage Gefühl, es müßten einmal andere Ochsen an die Futterkrippe«, kann Jens Daniel als politische Weisheit nicht abgenommen werden. Stehen doch die jetzigen Ochsen auf Kosten der Steuerzahler, also der Allgemeinheit, gut im Futter. Sie weiter darin zu halten, ist billiger, als andere erst in diesen guten Futterstand zu bringen! Da es überdies nicht wenige Ochsen sind, die hinter ihrem mit der Brennschere gelockten Leitbullen herandrängen, würde solch ein Wechsel für den Steuerzahler eine sehr teure Angelegenheit.

Schon beim alten Kommiß galt der Grundsatz, die Küchenbullen möglichst nicht zu wechseln, da erfahrungsgemäß das Anfüttern der neuen die Rationen der Mannschaft am meisten schmälerte.

Freiburg i. Br. DR. EMIL WILHELM Dozent

In »Rot oder Schwarz« wenden Sie eine arge Schwarz-Weiß-Malerei an, wenn Sie schlechthin die Christen als »moderne Verfallschristen« bezeichnen. Abgesehen von der spiegelnden oder - besser gesagt - irrlichternden Wortprägung, scheint es mir nicht von »christlicher Verhaltungsweise« zu zeugen, ein solches Urteil zu fällen. »Wer ohne Fehl ist, der werfe den ersten Stein.«

Meine acht Kinder jedenfalls bemühe ich mich - vielleicht nicht so »modern« - zu Christen der Tat zu erziehen und sie zu behüten, daß sie nicht in einen »Verfall« geraten, der aus Ihren Zeilen spricht. Der von Ihnen geworfene Stein könnte ins Auge gehen.

Oberhambach DR. TH. MERTEN

Die Geschichte der Reichstagswahlen von der Gründung des Kaiserreichs bis zum Untergang der Weimarer Republik lehrt, daß Gesamtdeutschland - komme, was wolle - stets zwischen vier und fünf Millionen christpolitische Wähler besaß, eine Stetigkeit, die für das Vorhandensein echter geistiger Haltung spricht. In dem kleiner gewordenen bundesrepublikanischen Deutschland hat sich die Zahl der »christlichen« Stimmzettel jählings verdoppelt und verdreifacht.

Schon rechnerisch läßt sich dieser gewaltige Stimmzuwachs durch die Fraternisierung zwischen politischem Katholizismus und Protestantismus allein nicht erklären, selbst wenn man der Tatsache keine Bedeutung schenkt, daß es einen firmierten politischen Protestantismus nach katholischem Vorbild nie gegeben hat.

Die Frage ist darum berechtigt und auch höchst wichtig, ob wir es hier mit einer massiven Umstellung politischen Wollens aus echter geistiger Haltung, ob wir es also mit einem wahrhaftigen christlichen Risorgimento zu tun haben. Der persönliche Augenschein jedes ehrlichen Deutschen spricht selbst im kleinsten Dorf dagegen.

Mithin ist es erlaubt, von einem gigantischen Mißverhältnis zwischen christlicher Macht und christlichem Geist zu sprechen, das sich - wie könnte es anders sein - auf Schritt und Tritt durch Unredlichkeit, Heuchelei, Verwischung und Verschmierung peinlichst bemerkbar macht.

Was mich betrifft, so kann ich nicht umhin, Meister Daniel recht zu geben, der die Ursache für die Blüte des modernen Verfallschristentums darin erblickt, daß bei uns der krasseste Materialismus der ganzen Welt zur Religion erhoben wurde. Hoffentlich wird die Seele des deutschen Volkes an der muffig-ledernen Geldbeutelpenetranz dieser Art Religion nicht ersticken!

Gisingen (Saar) JOSEF MORITZ Lehrer

Nachdem das fade Spiel der jahrelangen Kritik am Kanzler überlangweilig geworden, erteilt man uns FDP-Leuten billige Lektionen. Wir wissen nun, wie wir nicht in den Wahlkampf gehen dürfen, und Reinhold Maier weiß es auch. Hoffentlich! Die Ruhe und der Wohlstand gehen Jens Daniel auch auf die pseudonymen Nerven. Wir wollen alles zu seiner Erhaltung tun, auch gegen die Ignoranten des SPD-Verhängnisses, die noch jeder gesunden Volkswirtschaft den Garaus gemacht haben. Man könnte eher den Säuglingen Rasierklingen zum Spielen geben, als solche Leute an die Regierung lassen.

Ulm E. GUGER

Warnung an die FDP. In Abwandlung eines Zitates von Kurt Tucholsky: Ob die SPD im Reichstag einen hinmacht

Mitten in's Lokal, Ist ja janz ejal, ig ja janz ejal!

Hamburg HANS SCHATTEN

Wahrscheinlich ungewollt haben Sie durch Ihren Artikel »Rot oder Schwarz« die FDP als das hingestellt, Was sie war, ist und bleiben wird: Fraktion Drehscheibe.

Kiel-Holtenau GÜNTHER SCHÄFER

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