Luftbohm
Sechs bis acht Maschinen würden demnächst eiligen Bundeskurierverkehr bewältigen dürfen, wurde der Bundesregierung vom Petersberg bedeutet. Der Zivilluftverkehr werde dann bald folgen. +
Das geeignete Verkehrsmittel seien Hubschrauber, meint man beim Deutschen Industrie- und Handelstag. Auf jeder Strecke zwei Maschinen mit zehn bis zwölf Plätzen im Gegenverkehr würden ausreichen, Industrie- und Handelspassagiere preiswert zu befördern. Alte Lufthansa-Leute wollen von der Hubschrauberei nichts wissen. Sie schwören noch immer auf die Ju 52. Etwa 60 Ju-Veteranen sind noch in Südamerika und anderwärts im Einsatz. Möglicherweise werden einige repatriiert. Auch an Zweimot-Düsenflugzeuge wird gedacht. Vor Korea kostete eine solche Maschine rund drei Millionen DM, heute mehr.
Die Anschaffungskosten amortisieren sich nur, wenn die Maschine täglich zehn Stunden in der Luft ist. Eigene Maschinen zu bauen, lohnt nur bei Serien von 50 Stück aufwärts. Rüstungsaufträge sind jedoch vorläufig nicht zu erwarten. +
Das Bundesverkehrsministerium (Minister Seebohm wurde intern in Luftbohm umgetauft) hat eine Liste erfahrener Piloten längst fertig, besorgt von General Kreipe, letztem Generalstabschef der Luftwaffe. Ihm wird die Aeußerung nachgesagt: »Ritterkreuz mit Brillanten allein ist keine Garantie für Verkehrssicherheit«.