Mahlers Sechste - DER SPIEGEL
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Am Rande Mahlers Sechste

• aus DER SPIEGEL 34/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Gute an Dialektik ist, dass sie universell und praktisch ist wie ein Schweizer Taschenmesser. These, Antithese und - hopp! - alles ist neu. Es geht immer auf. Etwas Zweck-Mittel oder Herr und Knecht, und schon sind Widersprüche aufgehoben im Hegelschen Sinne. Dialektik ist ein Spielbaukasten für alle Jungs, die heimlich zu viel am Weltgeist genippt haben.

Horst Mahler beispielsweise. Sein ganzes Leben ist er von These zu Antithese gesprungen, fröhlich dem Weltgeist nachphänomenologisierend, auch wenn der schneller das Kleidchen wechselte als ein Mannequin. Erst steckte das An-und-für-sich-Seiende in der Robe eines Juristen. Dann in der außerparlamentarischen Opposition. Es folgte ein Blitzauftritt als Rotarmist, Tendenz RAF. Alsdann führte Mahler die Volksmassen im Geiste Mao Tsetungs. Vom Gefängnis aus. Mit Dialektik geht das. Wieder auf freiem Fuß, wird Marx vom Kopf auf die Hinterbacken gestellt; Mahler wirkt in der eigenen Wilmersdorfer Anwaltskanzlei. Aber als die polnische Putzfrau einmal Wasser auf die »Phänomenologie des Geistes« kleckert, merkt Mahler, dass dem Deutschen Volke die Ausrottung droht. Zackzickezack den dialektischen Dreisprung gemacht, und schon sprach Mahler bei der NPD vom Wiederaufbau des Reiches. Die sechste Volte.

Jetzt hat Mahler Aufnahme in die völkische Partei beantragt. Es sei seine Pflicht, sich »um Deutschlands willen bedingungslos vor die NPD zu stellen«. Das Gute an dem Mann ist, dass man ihn ruhig allein mit dem Weltgeist spielen lassen kann. Es wird schon nichts passieren. Mit Hegel gesprochen: Es ist ein gleichgültiges Sein.

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