MALAN - DER SPIEGEL
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Briefe

MALAN
• aus DER SPIEGEL 20/1952
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MALAN

(Nr. 14/52, Ausland)

Die Zeit des Kolonialismus und der Rassendiskriminierung ist vorbei, und so wird sich natürlich auch Herr Malan nicht gegen die Naturgewalt des aufkommenden Selbstbewußtseins der Andersfarbigen durchsetzen können. Seine Politik trägt den Keim des Todes in sich. Darüber ist es nicht not, viele Worte zu verlieren. Etwas anderes kann uns sehr zu denken geben. Das ist die Tatsache, daß es die Herren Strauss und Oppenheimer, die Vertreter des Monopol-Kapitals sind, die sich zum Vorspann der Emanzipation der Schwarzen machen. Sollten diese Herren nicht befürchten müssen, von den emanzipierten Schwarzen ihrer monopolistischen Vorrechte entkleidet zu werden? Natürlich befürchten sie das, und nur, um dieser Gefahr zu entgehen, wollen sie nun den großen Coup starten, sich selbst an die Spitze der Revolution zu setzen, die sie, sehr real denkend, heranreifen sehen.

Welch ein prächtiges Schauspiel! Strauss und Oppenheimer als die Vorkämpfer der Menschenrechte! Wer wird argwöhnen können, daß die Begünstiger der Revolution des schwarzen Mannes die Feinde der wahren Rechte eben dieses schwarzen Mannes sind? Richten wir nur den schwarzen Zorn gegen die großen und kleinen Farmer des Landes. Sie mögen reine Unternehmer ohne zinskapitalistisches Interesse sein oder solche, bei denen sich beides vereinigt. Mag die Plantagenwirtschaft auch volkswirtschaftlich gesehen eine günstige landwirtschaftliche Struktur sein. Vernichten wir sie nur. Der Untergang der kleinen Kapitalisten stärkt die Macht der großen. Und der Untergang der freien Farmer macht uns selbst den bisher versperrten Zutritt zum Landbesitz frei. Nicht direkt natürlich, denn erst werden freilich die Revolutionsgewinner das Land unter sich aufteilen. Aber die auf diese Weise desorganisierte Landwirtschaft wird dann sehr bald ganz abhängig vom Kredit werden. Wer aber das Geld hat, kann den Kredit nicht nur geben, sondern ihn auch sperren. Und eines Tages werden die neuen Landbesitzer dann schon froh sein, wenn sie ihr Land für etwas bares Geld an das Monopol-Kapital verkaufen können. So wird das Land weder den Farmern noch den Schwarzen gehören, sondern den Herren Strauss und Oppenheimer. Die werden gleich wieder die Plantagen-Wirtschaft aufrichten, und die früheren Plantagen-Besitzer werden als Angestellte der Monopol-Kapitalisten in ihre Farmen einziehen. Ist es nicht sehr aufschlußreich, daß Herr Strauss Vorsitzender der »Vereinigten Partei« ist? Ist diese Partei damit etwas anderes als die Domäne des Herrn Oppenheimer und der Minen-Aktionäre? Können wir hoffen, daß Herr Malan erkennt, daß er gegen die Schwarzen in einer falschen Front steht? Die Schwarzen streben nicht nach Herrschaft, sondern nach bürgerlieher Freiheit und Gleichheit und nach wirtschaftlichem Wohlstand. Mag Herr Malan erkennen, daß der Wohlstand der Schwarzen nicht die kommunistische Aufteilung des Vorhandenen bedeutet. Mag er erkennen, daß dieser Wohlstand sehr leicht zu erreichen ist durch eine Politik ausgeweiteter zinsloser Staatskredite und eine geschickte Handhabung des Kredit- und Geldwesens.

Gelsenkirchen

Kurt Franck

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