Mann entdeckt Mann - DER SPIEGEL
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Mann entdeckt Mann

• aus DER SPIEGEL 32/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die zunächst traurige Kulturgeschichte der Männerfreundschaft im Nachkriegsdeutschland beginnt 1954 in der 84. Minute im Wankdorf-Stadion zu Bern, als Helmut Rahn aus halbrechter Position zum 3:2-Siegtor gegen Ungarn traf: Mann ist Mannes Freund, so schrieb die große Tat allen Knaben aufs Wunderhorn, wenn es nach Kabinenschweiß riecht, nur das Nötigste geredet wird und Denken Sache von Chefs wie dem Bundessepp ist. Der Western lehrte dann, dass Frauen virile Nähe stören können - sie wollen immer irgendwas, wenn Männer nur so auf den Raubeinen stehen möchten.

Dann höhlte die Frauenbewegung das kulturell verkümmerte Mannmit-Männer-Wesen vollständig aus: Die entwerteten Beziehungskrüppel bekamen allenfalls Selbsthilfe-Status. Thanner und Schimi beim Currywurstessen in Duisburg zuzusehen war das Höchste, was die Medien an Männerfreundschaft feiern durften.

Jetzt hat offenbar ein großer Umschwung eingesetzt: Erstaunlich viele Debütfilme, die für das Kino oder Fernsehen produziert werden, feiern die Amicitia unter Amigos. In »Drei Chinesen mit dem Kontrabass« von Klaus Krämer entsorgt ein selbstloser Freund dem Freund die Leiche der Freundin, indem er ihr Fleisch zerlegt und die Knochen mit der Handmühle zerkleinert. Andere Stücke wie »Freunde«, »Vergiss Amerika« oder »England« zeigen sogar bübische Bünde, die nicht auf Kosten der Frauen gehen. Männer (auch nichtschwule) entdecken Männer, obwohl kein Rahn mehr für Deutschland trifft. Die Kultur schreitet voran.

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