Manöver - DER SPIEGEL
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KOREA Manöver

• aus DER SPIEGEL 22/1952
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Je näher der Morgen jenes Tages herandämmert, an dem das amerikanische Volk seinen neuen Präsidenten wählen wird, desto gereizter wird die Stimmung der höheren und höchsten Regierungsbeamten in Washington. Die Sekretärinnen in den Vorzimmern wissen heute bereits ein Lied von nervösen Ausbrüchen, hysterischen Empfindlichkeiten und launenhaften Planlosigkeiten ihrer Chefs zu singen. Seit je ist die Kontinuität der amerikanischen Politik durch den vierjährigen Turnus der Präsidentschaftswahlen gefährdet. So versucht alles, sich bereits jetzt auf jenen November-Tag hin zu orientieren.

Mitte Mai unterzeichneten die Vereinigten Stabs-Chefs der amerikanischen Land-, See- und Luftstreitkräfte (JCS) ein Memorandum über die Lage in Korea. In den innersten Zirkeln des Pentagon ist man überzeugt, daß damit die höchsten Messing-Köpfe*) der US-Wehrmacht nicht ein militärisches, sondern ein innenpolitisches Manöver durchführten. So sieht nämlich jenes Korea-Memorandum aus:

* Mit den auf Korea zur Verfügung stehenden UNO - Truppen ist der Krieg militärisch nicht zu entscheiden.

* Die globalen Militär - Verpflichtungen der USA lassen eine Verstärkung des Korea-Expeditionskorps auch dann nicht zu, wenn die Verhandlungen über einen Waffenstillstand endgültig in die Brüche gehen sollten.

* Die unterzeichnenden Joint Chiefs of Staff sehen sich nicht in der Lage, eine militärische Lösung des Korea-Konfliktes zu entwickeln und zu empfehlen.

* Es ist klar erwiesen (perfectly obvious), daß Korea von Anfang an als eine gigantische Falle des Sowjet - Blockes geplant war, um amerikanische Streitkräfte an einem Ort zu binden, der für sie politisch, einsatz- und nachschubmäßig nur minimalste Chancen bot, ohne daß dabei die Sowjets in Gefahr gerieten, direkt in den Konflikt einbezogen zu werden.

Die Adjutanten meinten, daß dieses Memorandum Eulen nach Athen trage. Die Gesichtspunkte dieses Memorandums seien

*) Brass-heads = Amerikanischer Slang für Generäle. zumindest bereits ausschlaggebend gewesen, als man sich an den Feldtischen in den Zelten von Panmunjon zu Verhandlungen niederließ.

Und da die Adjutanten wissen, daß ihre Vereinigten Stabs-Chefs mit Bestimmtheit auf einen republikanischen Wahlsieg rechnen, kombinieren sie folgendes:

Entweder gewinnt Eisenhower die Wahlschlacht, dann haben die Stabs-Chefs einen Boss, der stärker an den europäischen als an den asiatischen Bindungen der USA interessiert ist.

Zieht hingegen Taft ins Weiße Haus, dann regiert zwar ein »Asiate«, der aber mit Trumans Kurs in Korea, wieder nur aus demagogischen Gründen des Wahlkampfes, unzufrieden war. Robert Taft erklärte nämlich am 10. März in einer Fernseh-Sendung: wenn er Präsident wäre, so würde er die Waffenstillstands-Verhandlungen zu einem radikalen und erfolgreichen Ende bringen.

Da die Entscheidung aber - nach der Meinung der Stabs-Chefs - nur zwischen Eisenhower oder Taft liege, so schließt man im Pentagon, richtet sich das überflüssige Korea-Memorandum gegen Truman und Verteidigungsminister Lovett und hat den einzigen Sinn und Zweck, die alten Stabs-Chefs dem neuen Präsidenten präsentabel zu machen - was im Falle einer Wahl Tafts besonders wichtig ist, nachdem er im Februar erklärt hat, daß er als Präsident die jetzigen Stabs-Chefs entlassen würde.

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