NEPAL Maoisten unter Druck
Möglicherweise geht der erbitterte Krieg zwischen aufständischen Maoisten und Regierungstruppen in die entscheidende Phase. Während die nepalesische Armee vergangene Woche nach eigenen Angaben 500 Rebellen tötete und selbst offenbar 150 Mann verlor, wirbt Premierminister Sher Bahadur Deuba, 55, erfolgreich um internationalen Beistand. Vorige Woche reiste er nach Washington und London. Während dessen entdeckte seine Polizei bei Razzien in Moscheen und Koranschulen Sprengstoff. Die Funde sollen den alten Verdacht erhärten, es gebe Kontakte zwischen Maoisten und Islamisten, die nach neuester US-Definition jeweils Terrorgruppen sind. Auch die indische Regierung stützt diese These und nennt eine weitere Querverbindung: Pakistans Geheimdienst ISI, heißt es in Neu-Delhi, unterstütze nicht nur islamistische Separatisten in Kaschmir, sondern aus strategischen Gründen auch die Maoisten im benachbarten Nepal.
So überraschte es wenig, dass Maoisten-Führer Prachanda vorige Woche Friedensgespräche und »einen positiven politischen Ausweg« anregte. Sein Angebot kam aber wohl zu spät. Premier Deuba machte die Kapitulation und Niederlegung der Waffen zur Vorbedingung und gab warnend bekannt, US-Präsident George W. Bush habe ihm »vielfältige Unterstützung versprochen« - zunächst 20 Millionen Dollar für das Militär und 38 Millionen für Entwicklungshilfe.