Marken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 4 / 48

Marken

• aus DER SPIEGEL 20/1952
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ohne bundesamtlichen Auftrag hat das Deutsche Rote Kreuz damit begonnen, Schutzmaßnahmen für den Fall eines Atomkrieges vorzubereiten. Neben verschiedenen, auf die Erfordernisse des Atomkrieges abgestellten luftschutz-sanitären Maßnahmen wurde den Bundesbehörden vorgeschlagen:

* die Registrierung sämtlicher Einwohner des Bundesgebietes auf Mikrofilm nach dem von der amerikanischen Firma Remington Rand entwickelten »Flow-System«. Danach wäre es möglich, 50 Millionen Karteikarten auf einem Raum von 1,5 Kubikmetern unterzubringen;

* die Einführung von Erkennungsmarken für alle westdeutschen Bürger. Die Marke bestände, nach den Vorschlägen des Roten Kreuzes, aus einer Blechkapsel, die einen Mikro-Filmstreifen mit sämtlichen Personalangaben enthält, und einem Dosismesser - das ist ein fingernagelgroßer Behälter mit einem Film, der auf Gamma-Strahlen reagiert. Diese »harten« Strahlen treten bei Atomexplosionen auf und können am menschlichen Körper normalerweise erst nach ein bis zwei Wochen diagnostiziert werden.

Nach Abschluß des Generalvertrages wird die Bundesrepublik voraussichtlich die Möglichkeit haben, die letzte Genfer Rotkreuz-Konvention zu ratifizieren, die den Signatarstaaten zur Auflage macht, alle Kinder mit Erkennungsmarken auszustatten. Daraus könnte sich allmählich eine bundesdeutsche Totalkartei entwickeln. Die Kosten für das gesamte Registrierungs- und Erkennungsmarken-Programm würden nach Berechnungen von Funktionären des Roten kreuzes pro Person nicht einmal eine D-Mark betragen.

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 48