Markus Wolf,
75, ehemaliger Chef des DDR-Auslandsgeheimdienstes, war in Österreich unterwegs - diesmal in kulinarischer Mission. Im Wiener Café Dogma, einem von Kommunisten gern besuchten Restaurant, bereitete er Gerichte zu nach Rezepten aus seinem Buch »Geheimnisse der russischen Küche«. Während der Essensvorbereitungen klingelte das Telefon. Wolf spöttelte: »Die Staatspolizei will sich wohl davon überzeugen, daß hier alles mit rechten Dingen zugeht.« Am anderen Ende war der österreichische KP-Chef Walter Baier, der sich erkundigte, ob der prominente Gast schon eingetroffen sei. Baier erschien dann doch nicht im Café. Dafür verriet Wolf dem Wiener Stadtmagazin »Falter« ein, wie er es nannte, »großes Geheimnis: Ich war schon 1955 unter anderem Namen in Österreich - an dem Tag, als Bundeskanzler Raab auf dem Flugplatz Baden landete«. Die naheliegende Frage, was er denn damals habe auskundschaften wollen, beschied der einst oberste Soldat an der unsichtbaren Front betont einsilbig: »Also jetzt ist Schluß: Ich kann ja nicht alle Geheimnisse verraten!«