Massenproteste wegen Wahlmanipulation - DER SPIEGEL
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MADAGASKAR Massenproteste wegen Wahlmanipulation

• aus DER SPIEGEL 3/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Staatspräsident Didier Ratsiraka zeigt sich lernwillig, wenn auch nur bedingt. Während der frühere sozialistische Diktator und Admiral noch vor zehn Jahren Massenproteste der Opposition blutig niederschlagen ließ, hielten sich jetzt die Sicherheitskräfte bis zum Wochenende demonstrativ zurück. Dabei ist die Situation für den Staatschef nicht minder prekär. Zehntausende Demonstranten versammelten sich vorige Woche Tag für Tag, um gegen das vom Innenministerium veröffentlichte Ergebnis der Wahlen vom 16. Dezember zu protestieren. Das überraschende Resultat sieht Ratsiraka zwar nur bei 40,61 Prozent und Oppositionsführer Marc Ravalomanana bei 46,44 Prozent, macht aber eine Stichwahl notwendig. Die Gegner des Staatschefs sind allerdings von der absoluten Mehrheit ihres Kandidaten überzeugt; sie verlangen, den ehemaligen Joghurtverkäufer und heutigen Industriellen Ravalomanana zum Präsidenten auszurufen. Bei einem neuen Urnengang rechnet man freilich mit weiteren Wahlfälschungen.

Anzeichen für Manipulationen sind bereits jetzt vorhanden. Unabhängige Wahlbeobachter sehen den Wahlsieger bei Nachzählungen weit deutlicher in Front. Allerdings sind viele Ergebnisprotokolle angeblich verschwunden. Das politische Schicksal Ratsirakas hängt nun vom obersten Verfassungsgericht ab, das bis Ende Januar das offizielle Ergebnis verkünden soll. Die Opposition ist skeptisch: Die neun Richter verdanken ihre Positionen dem Präsidenten und sollen bereits in einer streng gesicherten Armeebasis untergebracht worden sein.

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