Politologe über die SPD "So langweilig, bürokratenhaft, uninteressant"
Andrea Nahles
Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERSMatthias Micus, Jahrgang 1977, ist Politologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für Demokratieforschung. Er hat über die politische Führung der Bundesrepublik promoviert. Seine derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind Parteienforschung, Phänomene politischer Führung und die Vertrauenskrise der Politik.
SPIEGEL: Herr Micus, Andrea Nahles ist als Partei- und Fraktionschefin zurückgetreten. Was bedeutet das für die SPD?
Micus: Grundsätzlich ist der Rückzug von Nahles nicht die Katastrophe für die SPD, als die er bisweilen dargestellt wird. Einfach deshalb, weil Wohl und Wehe der Partei, verbliebene Reststärke wie fortgesetzter Niedergang, nicht zuvörderst an einzelnen Personen hängen. Er ist insofern aber auch kein Befreiungsschlag, weil mit Nahles die eigentlichen Probleme der Sozialdemokraten, die zu ihrem dramatischen, scheinbar unaufhaltsamen Abstieg geführt haben, nicht verschwinden.
SPIEGEL: Welches sind die eigentlichen Probleme der SPD?