TV-SENDER MDR bekämpft Korruption
Neun teils anonyme Hinweise gingen zwischen Januar 2007 und Anfang 2008 bei der Antikorruptionsbeauftragten des MDR ein. Das geht aus dem zweiten vertraulichen Tätigkeitsbericht der Beauftragten Anette Reiß hervor. Während sich zwei Vorwürfe als haltlos erwiesen, wurden sieben genauer untersucht. Dazu gehören Verstöße gegen »dienstliche Regelungen« bei der Auftragsvergabe sowie »unklare Regelungen« darüber, dass ein Verbot der Annahme von Zuwendungen auch für MDR-Tochterfirmen gilt. Auch gab es zwei Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Senders, die ihren Familienangehörigen in unzulässiger Weise Vorteile verschafft hätten. Konkret suchte der MDR in einem Fall über einen Aufruf in »Bild« nach jugendlichen Moderatoren für eine Kinderausgabe des Magazins »Sachsenspiegel«. Gewonnen hatte damals der zwölfjährige Sohn eines MDR-Sprechers. Zum fraglichen Zeitpunkt gab es beim MDR jedoch keine allgemeingültige Regelung, welche die Teilnahme von Mitarbeitern und ihren Angehörigen bei Gewinnspielen verboten hätte. Reiß weist in ihrem Bericht auf Grenzen der Funktion hin und fordert nach dem Vorbild des WDR die Einsetzung eines zum Ombudsmann berufenen externen Rechtsanwalts. Es könne »zu durchaus komplizierten Situationen kommen«, wenn ein Antikorruptionsbeauftragter auch in die »Hierarchie einer Programmdirektion eingebunden« sei. Reiß ist neben ihrem Posten als Antikorruptionsbeauftragte Fernsehredakteurin beim MDR.