Medienpolitisches Insulanertum - DER SPIEGEL
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Briefe

Medienpolitisches Insulanertum
• aus DER SPIEGEL 29/1981
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Medienpolitisches Insulanertum

(Nr. 26/1981, SPIEGEL-Gespräch mit dem SPD-Bundesgeschäftsführer Glotz über die Medienpolitik der Sozialdemokraten)

Wie schön, daß es wenigstens noch ein Thema gibt, wo laut des SPD-Medienplaners Glotz der Bundeskanzler mit dem letzten Juso-Ortsvereinsvorsitzenden übereinstimmt: die Blockade der neuen Medientechnologien.

Und damit ein bißchen Rest-Solidarität vor der staunenden Öffentlichkeit erhalten bleiben darf, verordnen die »roten Kulturpessimisten« den Bürgern das öffentlich-rechtliche Rundfunkmonopol, beschwören die Gefahr der Vielfalt, schwächen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik auf dem Gebiet der elektronischen Kommunikation, gefährden und verhindern Arbeitsplätze und verteufeln die rauchenden Colts von John Wayne als »affirmative Kultur«, die wahlpolitisch nur den Bürgerlichen hilft. Medien-K(r)ampf der SPD 1981.

Ganz davon abgesehen, daß diese Politik von purem Machtegoismus bestimmt ist, weil -- wie Egon Bahr auf dem SPD-Parteitag deutlich gemacht hat -- mehr Pluralität nur die öffentlich-rechtliche Traumlandschaft für seine Partei ankratzen kann, offenbart dieses Denken »medienpolitisches Insulanertum«.

Die rasante Entwicklung der neuen Medien wird die Abschottungs-Mentalität der SPD schon bald als Anachronismus erweisen. Das weiß auch Glotz, doch die Devise seiner Partei heißt: Verzögern.

Eschwege (Hessen) DIETER WEIRICH MdB, Vorsitzender der Medienkommission der hessischen CDU

Sie haben mir in einer der Fragen an Herrn Glotz in Zusammenhang mit den potentiellen Finanziers eines Satellitenprogramms von Radio Luxemburg unterstellt, ich »meinte«, das »französische Großkapital, irgendwelche Großindustrien und die deutschen Verleger« verstünden sich »eher schon als Nazis«. Ich habe das weder gesagt noch geschrieben.

Der Fehler Ihrer Interviewer erklärt sich wohl aus einem bemerkenswerten Übereifer. Sie haben nämlich ihr Interview auch ansonsten statt mit kühlem Kopf eher mit heißem Herzen geführt: für mehr Fernsehen und für seine Kommerzialisierung.

Erlauben Sie bitte einen Rat an die fragenden Redakteure: Verkaufen Sie Ihre Aktien von Privatfunkgesellschaften, denn ihr Kurs wird demnächst gegen Null fallen; dann nämlich, wenn alle Privatfernseheuphoriker das jüngste Verfassungsgerichtsurteil gelesen haben. Sie werden's mir danken.

Bonn ALBRECHT MÜLLER Leiter des Planungsstabes im Bundeskanzleramt

Wir haben uns von Beginn der Kabelfernseh-Diskussion an dafür eingesetzt, die bereits produzierten deutschen Programme, die für die einzelnen Bundesländer zum Teil doch noch recht unterschiedlich sind (siehe Dritte Programme und Regionalprogramme), endlich bundesweit empfangbar zu machen. Außerdem sind wir dafür eingetreten zu prüfen, inwieweit sich auch die deutschsprachigen Programme unserer europäischen Nachbarländer übernehmen lassen.

Dies würde sicherlich eine Programmbereicherung bedeuten, die außerdem nur einen Bruchteil der Kosten verursachen würde, die bei der Produktion neuer zusätzlicher kommerzieller oder öffentlich-rechtlicher Programme auf uns zukämen.

Außerdem würden dadurch auch nach unserer Auffassung alle Kabelpilotprojekte, die vom Kostenaufwand her sowieso mehr als fragwürdig wären, gegenstandslos.

Düsseldorf GÜNTER STEPHAN Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes Mitglied der SPD-Medienkommission

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