Mei Büffchen - DER SPIEGEL
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Prostitution Mei Büffchen

Ein pikantes Problem plagt ostdeutsche Kommunalpolitiker: die Eröffnung von Bordellen.
• aus DER SPIEGEL 25/1995
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Wenn das Arbeitsamt eine Fortbildung zur Puffmutter anbieten würde, wäre Ilona Jelit, 42, die ideale Dozentin. Rauh, aber herzlich regiert die gemütliche Leipzigerin das »Eros-Center am Wasserturm«.

Sie schreibt Arbeitspläne, kontrolliert Abrechnungen, erinnert ihre Mieterinnen an den 14tägigen Gesundheitscheck, und das stets mit guter Laune. »Ich geh'«, sagt die Geschäftsführerin in unverfälschtem Sächsisch, »jedn Dach gerne in mei Büffchen.«

Etwas später am Tag kommt auch die Kundschaft gern. Leipzigs ersten Bordellneubau, der im Februar 1994 die Tore öffnete, besuchen täglich einige hundert Herren.

Ein geordneter Betrieb: Gegen 200 Mark Tagesmiete stellt das »Büffchen«, ein Projekt des Frankfurter Großbordelliers Willi Schütz, den 48 Damen der horizontalen Zunft Putzfrauen und Türsteher zur Verfügung, im ersten Stock gibt es eine Betriebskantine. Kameras kontrollieren die Gänge, in jedem Zimmer ist außer Duschkabine und Lotterbett auch ein Alarmknopf.

Ärger hat es bislang noch nicht gegeben. Und auch draußen auf der Straße haben das Haus am Wasserturm sowie vier andere in Absprache mit der Leipziger Stadtverwaltung eröffnete Bordellbetriebe für eine Befriedung der Verhältnisse gesorgt: Keine Revierkämpfe auf dem Straßenstrich, keine Zuhälterkriege - das Nachtleben in der Messestadt sei »geradezu langweilig« geworden, berichtet Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) augenzwinkernd.

Mittlerweile wird Leipzig von vielen ostdeutschen Kommunalverantwortlichen beneidet. Ob in Schwerin oder Gera - vielerorts sehen sich Kommunalbeamte mit einer grassierenden illegalen Prostitution konfrontiert, Gewaltkriminalität ist die Folge. So wurden im Rostocker Rotlichtmilieu binnen eines Jahres vier Männer getötet. Dresdner Zuhälter tyrannisieren sich schon mal gegenseitig mit Raubüberfällen.

Zu DDR-Zeiten gab es keine Bordelle; Frauen, die nebenbei, etwa zur Leipziger Messe, bei West-Besuchern anschaffen gingen, standen häufig unter Stasi-Kontrolle. Nach dem Mauerfall fielen dann, gleichsam über Nacht, neben Würstchenverkäufern und fliegenden Händlern auch leichte Mädchen in die Ost-Städte ein. Zuhälter aus dem Westen steckten schon ihre Claims ab, als örtliche Behörden noch die Zuständigkeiten für den diffizilen Umgang mit der Prostitution abklärten.

Bald meldeten sich naive Idealisten, die nach Art städtischer Frauenhäuser auch kommunale Bordelle errichten wollten. Das aber wäre mit dem geltenden Recht nicht zu vereinbaren gewesen: Danach müssen Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern die Prostitution zwar offiziell dulden, die »Förderung der Prostitution« aber, etwa durch eigene bauliche Maßnahmen, ist ihnen untersagt.

In Leipzig handelte der Leiter des Ordnungsamtes, Günther Wassermann, 45, ein gebürtiger Frankfurter, umsichtig: Dort werden fünf Etablissements geduldet. In Rostock gibt es nicht einmal eine Sperrbezirksverordnung. Als Folge blüht dort die illegale Prostitution. Etwa 80 Prozent der Gunstgewerblerinnen in der Hansestadt kommen aus dem Ausland, zumeist aus Polen und Rußland.

Im Rostocker Stadtteil Marienehe will die Stadtverwaltung jetzt den Neubau eines Bordells genehmigen. Investor Gerd Fritz Hinüber, 50, ein Kaufmann aus Westfalen, kommt jedoch nur noch mit Bodyguard in die Hansestadt: Lokale Rotlichtgrößen hatten gewarnt, der Mann heiße »schon so, wie er bald sein wird": Hinüber.

Mangels Cash und Connections kommen Ostdeutsche beim Bau der Dirnenheime selten zum Zug. In Magdeburg etwa wollen Düsseldorfer Liebes-Kaufleute ein Freudenhaus bauen. In Chemnitz ist ebenfalls eine westdeutsche Bauträgerfirma im Geschäft. Das schafft Unmut bei einheimischen Kiezgrößen.

Nicht zuletzt wegen moralischer Bedenken, aber auch aus Furcht vor protestierenden Bürgern sind örtliche Politiker oft zu zögerlich bei ihren Entscheidungen. So ließen etwa in Magdeburg städtische Bauamtsmitarbeiter ein Genehmigungsverfahren um den Ausbau einer alten Häuserruine zum Puffbetrieb so lange laufen, bis eine Genehmigung unumgänglich war. Als die Pläne bekannt wurden, hagelte es Proteste.

Prostitution, seufzt Leipzigs Ordnungshüter Wassermann, sei nun mal »das verlogenste Thema der Kommunalpolitik«. Y

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