TV-KOCHEN »Mein Ruf ist Ehrlichkeit«
SPIEGEL: Herr Klink, im Fernsehen brodelt und dampft es. TV-Kochsendungen sind auf allen Kanälen zu sehen. Sie stehen seit fünf Jahren in der Fernsehküche, glauben Sie an ein Ende des Booms?
Klink: Nein. Ich merke vor allem an jungen Leuten, dass sie sich mit Kochen in die kleine heile Welt retten können. Die Zeiten werden hektischer, Kochen und Genießen sind Möglichkeiten, die Welt zu entschleunigen.
SPIEGEL: Das heißt: zurück zu Mutters Rezepten?
Klink: Genau genommen Großmutters Rezepten. Vergessen wir nicht, dass unsere Mütter auf Dinge wie Nescafé abgefahren sind. Sie empfanden Tütensuppen als Erleichterung. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg hatten sie andere Sorgen, als gutes Essen auf den Tisch zu bringen.
SPIEGEL: Das Gourmetgetue kann schwer nerven. Die deutsche Filmkomödie macht sich schon über Kochfanatiker lustig.
Klink: Hobbyköche, die sich in ihrer Küche zerfleischen, mag ich genauso wenig wie manische Weinsammler. Ich halte sie weniger für Genießer als für Statussymbolsammler.
SPIEGEL: Wen wollen Sie beglücken?
Klink: Ich habe mir von Anfang an zur Devise gemacht, nicht den Profikoch heraushängen zu lassen. Ich habe den Laien im Auge.
SPIEGEL: Dieser Laie wundert sich oft, wenn er die geleckten TV-Küchen sieht, all die wunderbaren Gerätschaften darin und den Satz des TV-Kochs hört: »Es geht alles sehr schnell. Ich habe schon mal die Zwiebeln klein geschnitten, Gemüse geputzt, Nüsse geknackt, Tomaten blanchiert.« In Wirklichkeit ist das ja alles langwierige Arbeit.
Klink: Bei mir ist das anders. Ich arbeite unter Live-Bedingungen. Mein guter Ruf ist Ehrlichkeit. Auch wenn was schief geht, wird es gezeigt.
SPIEGEL: Sie gelten als Gegner der Nahrungsmittelindustrie. Was haben Sie gegen vorfabrizierte Suppen, Soßen und Knödel?
Klink: Es gibt Produkte, die völlig okay sind. Das Schlimme ist nur, dass die Nahrungsmittelindustrie mangelnde Qualität durch Aromastoffe übertönt. Das verdirbt den Geschmack für Echtes.
SPIEGEL: Woher wissen Sie eigentlich, welches der richtige Geschmack ist?
Klink: Jede Epoche, das weiß ich aus meiner großen Bibliothek für Kochkunst, hat ihren Geschmack. Aber was wir momentan erleben, ist der Werbedruck für schlechte Dinge. Jetzt haben wir im Fernsehen eine wunderbare Gegenbewegung. 20 bis 30 Prozent der Menschen machen sich jetzt Gedanken über gutes Essen.
SPIEGEL: Gehört dazu auch die Liebe zur exotischen Kulinarik?
Klink: Die ist etwas für aufstrebende junge Köche. Ich habe die Aufgabe, den Leuten das Kochen mit den Produkten der Saison zu predigen. Schließlich hat das auch etwas mit Identität zu tun.