Menschlich verständlich - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 99 / 108

Briefe

Menschlich verständlich
• aus DER SPIEGEL 2/2006
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Menschlich verständlich

Nr. 52/2005, Entführungen: Das Drama um die Irak-Geisel Susanne Osthoff

Warum wird von deutscher Seite noch überlegt, ob man Frau Osthoff an den Befreiungskosten beteiligen sollte? Natürlich sollte man sie daran beteiligen. Es war das Geld der Steuerzahler, das für private Unternehmungen der Frau - und klingen diese noch so menschenfreundlich - vergeudet wurde. Und wenn sie wieder in den Irak geht, dann auf eigene Gefahr.

BERLIN CONRAD TENNER

Wenn man viele Jahre im Ausland gelebt hat, ist es sehr schwer, sich wieder an die kleinbürgerliche Beschränktheit in Deutschland zu gewöhnen. Ich kann Frau Osthoff verstehen, und die Kommentare der Politiker zeigen, wie limitiert das Denken in Deutschland ist. Wenn man im Ausland lebt, kommen Momente von Heimweh, Nostalgie et cetera. Ich habe dagegen eine unfehlbare Medizin: Ich gehe in die deutsche Botschaft und sehe mir eine Stunde lang die dort tätigen deutschen Beamten an. Dann bin ich für ein paar Jahre geheilt.

CARACAS DIETER WOLF

Der hinter jeder Kritik nachgeschobene Satz, man müsse natürlich auch weiterhin jedem Bundesbürger Hilfe im Entführungsfall gewähren, war menschlich verständlich, denn man möchte natürlich vor seinen Wählern nicht als gefühlloser Mensch dastehen. Aber hat einer dieser Herren sich Gedanken darüber gemacht, was dieser verbale Freibrief für Konsequenzen hat? Da sich jetzt die Terroristen sicher sein können, dass sie die Osthoff sozusagen als Dauer-Kreditkarte nutzen können, ist das Halali auf sie wohl bereits eröffnet.

LEINFELDEN-ECHTERDINGEN (BAD.-WÜRTT.) MICHAEL SAX

Hochachtung? Größte Hochachtung! Denn während wir wohlgefällig und satt auf Sofas sitzend darüber schwadronieren, was sie zu tun oder nicht zu tun habe, tut Susanne Osthoff etwas. Während wir uns folgenlos die Weihnachts- und Neujahrsappelle unserer Staatsspitzen mit den darin enthaltenen Verbesserungsvorschlägen für unseren Charakter um die Ohren hauen lassen, hat dort im Irak eine einzige Frau mit viel Empathie, Mut und Menschlichkeit vielleicht Tausenden von Menschen geholfen und Leben gerettet.

DÜSSELDORF ERIKA BOSCH

Zur Ausgabe
Artikel 99 / 108

Mehr lesen über